fotografieren mit Blitzlicht Einen externen Blitz richtig benutzen

Viele Kameras besitzen einen eingebauten Blitz. Sei es, man hat eine Kamera ohne einen solchen, man ist mit diesem nicht zufrieden, weil er zu dunkel ist, oder aber man möchte das Blitzlicht extern entfesselt und völlig manuell von einer anderen Position einsetzen – bei der richtigen Bedienung eines externen Blitzgerätes ist einiges zu beachten – im Prinzip aber nur drei Dinge: die Entfernung zum Motiv und die Blende bei Berücksichtigung der ISO-Empfindlichkeit des Sensors bzw. Filmes.

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externer Blitz
Ein normaler Blitz zum Aufstecken auf die Kamera

Kürzlich versuchte ich mich an einem recht üppig ausgestattetem Blitz mit mehreren Programmmodi, Stroboskop-Funktion und natürlich der Möglichkeit direkt durch die Kamera mit diversen Informationen gespeist bzw. gesteuert zu werden. Sicherlich wird man mit so einem Gerät richtig blitzen können bzw. zu guten Ergebnissen kommen. Ein so völlig automatisches Gerät möchte ich hier an dieser Stelle allerdings außer Acht lassen, denn solche Blitzgeräte eignen sich wenig zum Verständnis darüber, wie die Kombination Blitz und Kamera eigentlich funktioniert, genau so wenig, wie man die Grundprinzipien der Fotografie schlecht an völlig automatisch funktionierenden Kameras erlernen kann.
In diesem Artikel soll es also darum gehen, was man an der (manuellen) Kamera einstellen bzw. beachten muss, benutzt man diese in Kombination mit einem herkömmlichen Blitz fester Leistung bzw. Leitzahl als Aufsteckblitz oder aber auch als entfesselt. Bei der Kamera muss manuell zumindest die Blende und bei der Digitalkamera zusätzlich der ISO-Wert einstellbar sein (oder ein fester bekannt sein). Mit der Änderung der Belichtungszeiten kann man hierbei experimentieren, denn die Verschlusszeit ist beim Blitzen in erster Linie tatsächlich nicht relevant.

Blitzlicht digital / analog

Ob man nun ein Blitzlicht an einer Digitalkamera oder an einer analogen Kamera benutzt, ist für die Theorie und Praxis völlig egal. Die Parameter Blende, Motivabstand und Iso-Wert gibt es bei beiden Kameras. Ebenso gibt es keinen technischen Unterschied zwischen einem dreißig Jahre alten “analogen” Blitz und einem modernen – beide machen Licht. Höchstens der sogenannte “Schwarzschildeffekt” wäre beim Blitzen bei einer analogen Kamera relevant. Hier wird davon ausgegangen, dass bei extrem kurzen Belichtungszeiten (was bei der Verwendung eines Blitzgerätes ja der Fall ist) sich die Belichtung des Negatives nicht mehr proportional zu den anderen Faktoren verhält. Bei einem herkömmlichen Aufsteckblitz (und bei Studioblitzen “normaler” Leistung) ist dies allerdings zu vernachlässigen – bei einer Digitalkamera sowieso. Ob die Kamera nun also analog bzw. digital arbeitet, ist bei meiner kleinen Anleitung völlig egal – Das Wort “Film” ersetze man dann einfach mit “Sensor”.

Leitzahl, Blende und der Abstand zum Motiv

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Ein einfaches, günstiges Blitzgerät mit einer Leitzahl von 18 zum Aufstecken auf die Kamera bei Amazon

Die Leitzahl wird sicherlich einer dieser fotografischen Begriffe sein, die zumindest dem Anfänger etwas Unsicherheit bescheren. Dabei gibt dieser Wert lediglich Auskunft darüber, wie “stark” die Leuchtkraft des Blitzes ist – genau so also wie die Watt-Angabe einer Glühlampe oder eines Bügeleisens. Es ist erst einmal nur ein Anhaltswert und als bloßer Begriff zur Bedienung des Blitzes zu vernachlässigen.
Weiß man, welche Blitzleitzahl das entsprechende Blitzgerät besitzt, so weiß man nämlich erst einmal überhaupt nichts: Man müsste sich nun mit diesem Wert und etwas Mathematik eine Tabelle erstellen, die Auskunft darüber gibt, bei welchem Abstand zum Motiv – bei der jeweiligen Empfindlichkeit in ASA bzw. ISO – genau welche Blende am Objektiv einzustellen ist (damit es nicht zu Über- bzw. Unterbelichtung kommt).
Eine solche Tabelle gibt es allerdings schon (und zwar analog auch andere Empfindlichkeiten als 100 ISO berücksichtigend): entweder in der Bedienungsanleitung, auf dem Blitz direkt aufgedruckt oder aber durch freundliche Zeitgenossen im Internet bereitgestellt.
Möchte man sich nun zwecks richtigem Belichten eine solche Tabelle selbst erstellen bzw. möchte man wissen, welche Blende (die Verschlusszeit ist beim Blitzen [fast] egal) bei welchem Abstand einzustellen ist, so erhält man die korrekten Blendenwerte (bei 100 ASA) sehr leicht, indem man nämlich rechnet:

Blende = Leitzahl / Entfernung in Meter

Beispiel zur richtigen Blende bei Verwendung eines Blitzes der Leitzahl X

Leitzahl Tabelle Blitz
Die Tabelle für einen Blitz mit einer Leitzahl von 16.
Hier sind bereits mehrere ISO-Empfindlichkeiten angegeben (sowie Din- & Feet-Parameter – welche im hiesigen Raum allerdings nicht zu beachten sind). Eine solche Tabelle zur richtigen Belichtung kann man sich auf Basis der Leitzahl seines Blitzgerätes recht einfach selbst erstellen.

Bei einem Aufsteckblitz, von welchem wir wissen, dass dieser eine Leitzahl von 16 besitzt und mit dem wir nun genau 3 Meter von der Freundin entfernt stehen (immer noch bei Annahme eines 100 ASA Films) rechnen wir also einfach 16:3=5,333. Die richtige Blende für diese Situation wäre bei 100 ASA und Abstand 3 Meter also aufgerundet 5,6; fertig. Das war doch wirklich ganz einfach! Die Entfernung muss also stets geschätzt werden, wobei man aber getrost auch “Schätzwerte” verwenden kann. Analog dazu und entsprechend genauer – besonders im Studio – kann man sich mit einem Belichtungsmesser mit Blitzmessung behelfen. Hierbei entfällt die Rechnerei natürlich.

Die Blitz-Formel auf andere ISO-Werte umrechnen

Die Formel zum Errechnen der Blende beim Wissen des Faktors Leitzahl bezieht sich immer auf eine Empfindlichkeit von 100 ASA (bzw. ISO). Möchte man aber beispielsweise mit 200 ISO arbeiten bzw. einen Film mit 200 ASA Empfindlichkeit verwenden, so wählt man die nächsthöhere Blende – dem Rechenbeispiel entsprechend: Blende 8. Andersherum verhält es sich bei der Empfindlichkeit von 50 ISO: Hierbei muss mehr Licht auf den Sensor bzw. Film: die nächstkleinere Blende von 4 wäre hierbei beim Beispiel zu wählen. Bei 400 ASA wäre die Blende 11 die richtige usw. Bei Verdoppelung der Empfindlichkeit wählt man also jeweils die nächsthöhere- bei Halbierung die nächstgeringere Blende (auf die Werte bezogen). Bei einer Digitalkamera kann man hierbei theoretisch natürlich auch (sofern noch möglich) jeweils bei unterschiedlichem Abstand zum Motiv an der Schraube ISO-Wert drehen bzw. dabei die Blende immer bei gleichem Wert belassen.

Die Belichtungszeit beim Blitzen

Die Verschlusszeit, also die Belichtungszeit, war bisher immer ein Wert, welcher beim Fotografieren große Beachtung beigesteuert werden musste. Bei Verwendung eines Blitzes allerdings ist dies ganz anders. Hierbei spielt die Verschlusszeit nämlich kaum noch eine Rolle, denn das Motiv ist durch den sehr hellen und kurzen  Blitz (bei Beachtung der richtigen Blende; s.o.) innerhalb des äußerst knappen Belichtungs-Momentes immer richtig beleuchtet. Was man bezüglich der Belichtungszeit beachten muss ist lediglich, dass diese nicht zu schnell erfolgen darf. Bei den meisten Kameras ist man mit 1/30 – 1/60 Sekunde auf der sicheren Seite. Bei den meisten Kameras, bei denen man nur mit einer einzigen Verschlusszeit blitzen kann, ist diese Zeit auch farblich oder mit einem entsprechenden Symbol hervorgehoben.
Benutzt man eine zu schnelle Zeit beim Blitzen (sofern bei der jeweiligen Kamera überhaupt möglich), so bilden sich die Verschlussvorhänge der Kamera mit auf dem Bild ab.  Entsprechende Schatten auf dem Foto wären die Folge. Daher sind Kameras so konzipiert, dass sich erst der Verschluss komplett öffnet, um dann erst den Blitz zu zünden um sich erst dann wieder zu schließen – und dies braucht bei den üblichen “Schlitzverschlüssen” eben seine Zeit, was allerdings im Extremfall auch bedeuten kann, dass ein sehr heller Hintergrund (Gegenlicht) überbelichtet werden könnte.

Gestalten des Hintergrundes bei Verwendung von einem Blitz

Wie bereits erwähnt, kann man die Verschlusszeit, was die richtige Belichtung angeht, beim Blitzen außer Acht lassen. Gerade aber bei alten “Analogkameras” mit Zentralverschluss – eine Verschlussart also, welche nicht auf horizontal ablaufende Lamellen oder auf entsprechendes Tuch basiert, sondern rund (ähnlich dem Prinzip Lamellenblende) abläuft, lässt sich beim Blitzen sehr gut der Hintergrund hinter dem angeblitztem Motiv gestalten – denn diese Kameras synchronisieren das Blitzlicht  korrekt bei jeder Zeit ohne Abschattungen.
So lässt sich beispielsweise der Himmel hell wiedergeben (lange Verschlusszeit) oder eben dunkel und dramatisch (kurze Zeit). Ebenso verhält es sich mit dem Hintergrund eines spärlich beleuchteten Raumes (völlig schwarz abgebildet bei schneller Zeit oder eben mit Details). Die Intensität der Belichtung des eigentlichen Motivs ist dabei aber stets die selbe – sie wird lediglich über die Blende (oder durch Filter) geregelt.

Testen der verfügbaren Verschlusszeiten im Blitzbetrieb

Bei welchen Belichtungszeiten die jeweilige Kamera den angeschlossenen Blitz noch korrekt synchronisieren kann, lässt sich auch recht einfach testen. Bei einer Digitalkamera kann man dies ja sofort auf dem Bildschirm überprüfen. Bei einer “analogen” Kamera hält man diese bei nicht eingelegtem Film und geöffneter Rückwand in einem dunkleren Raum gegen eine hellere Wand und schaut, gewappnet mit einer starken Sonnenbrille, von hinten etwas schräg von jeweils beiden Seiten in das Innere des Fotoapparates. Ist hierbei dann beim Auslösen des Blitzes vollständig das erhellte Rund der hintersten Linse zu sehen, so sollte eine Blitzauslösung bei dieser jeweils verwendeten Verschlusszeit kein Problem darstellen. Bei Verwendung einer Kamera mit Schlitzverschluss wird dann bei einer zu kurzen Zeit eben ein Teil der (erhellten) Linse vom Verschlussvorhang verdeckt sein, was dann – trotz des Sekundenbruchteils – relativ gut sichtbar sein wird. Bei dieser Zeit ist dann natürlich die Verwendung eines Blitzes an der Kamera nicht mehr möglich (ein Teil des Bildes wäre gnadenlos unterbelichtet – bzw. vom Vorhang verdeckt).
Alternativ zum dunklen Raum kann man aber auch den Blitz mittels einem Synchronkabel verbinden und ihn so entfesselt direkt von vorne in das Objektiv halten. Auf genügend Augenschutz ist jeweils zu achten! – Man möchte ja nicht gleich geblendet werden.

Verwendung von Filtern

Gerade bei kurzen Abständen zum Motiv ist man oft auf eine hohe (also geschlossene) Blende angewiesen, damit es nicht zur Überbelichtung kommt. Schließt man aber die Blende, so erhöht sich die Tiefenschärfe, was oft vermieden werden möchte. Hier kann sich mit einem ND-Filter bzw. Graufilter oder einem Polfilter geholfen werden. Beide “schlucken” Licht ohne die Bildqualität zu verschlechtern oder negativ zu beeinflussen. Benutzt man also die Kamera beispielsweise im Modus 100 ISO (oder eben einen entsprechenden Film), so verringert sich diese Empfindlichkeit je nach Stärke des Filters. Am üblichsten sind sicherlich Graufilter bzw. ND-Filter mit dem Wert 2. Salopp gesagt “verwandelt” sich dann diese 100 ISO-Empfindlichkeit in eine 25 ISO-Empfindlichkeit, was hier nichts anderes bedeutet, als dass die Blende wieder um zwei Stufen geöffnet werden kann und dass man somit mehr Unschärfe im Hintergrund des Motives erzeugen kann.

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Softbox bzw. Diffusor auf dem Blitz

Auch bei Verwendung einer (kleinen) Softbox reduziert sich die abgegebene Lichtmenge des Blitzes. Nicht nur im Studio ist es sinnvoll, das recht harte Blitzlicht - zumindest bei sehr nahen Motiven - zu "soften". (Harte Nasenschatten sind nicht schön.) Bei so einem kleinen Aufsteckblitz kann man so etwas auch selbst machen, indem man beispielsweise schon im einfachsten Fall zwei der Lagen eines Papiertaschentuchs vor den Blitz hält oder gar sein weißes T-Shirt. Ob beim Selbstabau oder bei einer gekauften Variante (Diffusor, Softer, Blitzball etc.): alles vor der Leuchtquelle schluckt Licht, sodass hier die oben genannte Formel nicht mehr exakt stimmen wird. Hier ist also das Selbe zu beachten wie bei den Filtern: der eigentliche verwendete ISO-Wert muss etwas nach unten korrigiert werden, sonst sind die Bilder beim Blitzen zu dunkel bzw. unterbelichtet.

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Hey! Eine gute Anleitung fürs Blitzen ist das schon. Eins hast du vergessen. Die Entfernung muss man doch nicht schätzen.. Man hat doch eine Skala für die Entfernung in Meter oder Feed am Objektiv! Man muss doch nur ablesen wenn scharf gestellt wurde ;)

admin

Oh. Stimmt! Das hatte ich ganz übersehen, aber du hast natürlich recht! Also fokussieren, Entfernung am Objektiv ablesen und auf die Tabelle am Blitzgerät (bzw. auf die Formel – Blende gleich Leitzahl durch Entfernung bei 100 ISO) anwenden. Besten Dank. Das funktioniert natürlich nur so gut bei Objektiven mit Entfernungsangabe, was bei den meisten aber der Fall sein sollte.

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... Tom über alles, was ihn fotografisch interessiert und mehr als drei Sätze ausmacht. Besonders interessiert ihn das Basteln, selber bauen und modifizieren von alten Kameras. Für ein tägliches Blog fehlt ihm die Zeit - und (zugegeben) auch die Geduld. Diese Seiten werden also nicht jeden Tag aktualisiert.

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