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Sekonic Twinmate: ein kleiner günstiger externer Belichtungsmesser

Heute möchte ich meinen Sekonic Twinmate L-208 vorstellen. Es ist der wohl günstigste externe Belichtungsmesser, den es hierzulande derzeit auf dem Markt gibt.

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Zunächst stellt sich vielleicht die Frage, warum man einen externen Belichtungsmesser überhaupt benötigt. Meiner Meinung nach benötigt man ein solches Gerät nicht mehr, seit Digitalkameras ein Histogramm zur korrekten Belichtungsbeurteilung besitzen. Wenn Sie nicht wissen, wie dieses Histogramm funktioniert, lesen Sie meinen kurzen Artikel darüber im Blitzblog nebenan.
Einen externen Handbelichtungsmesser zu nutzen ergibt vielleicht dann noch Sinn, wenn es auf absolute Reproduzierbarkeit ankommt oder wenn man nach dem sogenannten „Zonensystem“ belichten möchte, was zumeist eine Spot-Messfunktion voraussetzt. Ein günstiger Belichtungsmesser wie der Sekonic Twinmate L-208 besitzt eine solche Spot-Funktion natürlich nicht. Dafür kostet dieser Belichtungsmesser auch nur ca. 110 €. Warum Belichtungsmesser so teuer sind, ist mir ein Rätsel. Jedoch ist es tatsächlich das günstigste Gerät. Alle anderen sind wesentlich teurer.

eine 6x9 KameraMeine 6×9-Laufbodenkamera, mit welcher ich hochauflösende, schnurgerade z. B. Architekturaufnahmen anfertigen kann.

Wenn man jedoch einige andere Artikel dieses Blogs studiert hat, wird vielleicht aufgefallen sein, dass ich – wie selbstverständlich – auch mit alten, analogen Kameras arbeite. Diese Kameras besitzen entweder einen rudimentären eingebauten Belichtungsmesser (dort gibt es keine „intelligente“ Messmethode wie die Matrixmessung wie bei meiner Nikon DSLR). Oder aber sie besitzen überhaupt keinen eingebauten Belichtungsmesser. So fotografiere ich primär mit einer alten Laufbodenkamera im Format 6×9 bzw. auf dem Mittelformat-Rollfilm. Dadurch erhalte ich eine äußerst hohe Auflösung bzw. Detailzeichnung (weit höher als im digitalen „Vollformat“), muss jedoch auf den Komfort einer elektronischen Belichtungssteuerung verzichten. Hier hilft mir ein externer Handbelichtungsmesser – wie eben der kleine Sekonic Twinmate. Ich besitze auch noch einen Gossen Digisix, der noch etwas besser ist.

Der Sekonic Twinmate im Detail

Schauen wir uns den Belichtungsmesser im Detail an:

der Sekonic Twinmate

So schaut er aus. Der Sekonic Twinmate ist nicht größer als eine Goldmedaille und misst das Umgebungslicht korrekt, um eine exakte Belichtung zu gewährleisten.

Hier kommt ein Foto von der Rückseite:

*Den Digisix von Gossen gibt es nunmehr in der Version II. Der Belichtungsmesser ist der kleinste und einer der günstigsten auf dem Markt, besitzt aber sowohl die Möglichkeit zur Motiv- als auch zur Lichtmessung, wodurch sehr präzise Messergebnisse möglich sind. Gesehen auf Amazon.

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Belichtungsmesser "Twinmate"

Aufbewahrungstasche

Der Sekonic Twinmate L-208 wird in einer Aufbewahrungstasche aus Wildleder geliefert:

die Aufbewahrungstasche des Sekonic Twinmate

In dieser Aufbewahrungstasche lässt sich der Sekonic Belichtungsmesser sicher unterbringen und ist so vor Staub und Schlägen einigermaßen gut geschützt.

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Funktionsweise

Der Sekonic arbeitet nach dem selben Prinzip wie z. B. der bekannte Gossen Lunasix-Belichtungsmesser: Man drückt die Messtaste am Gerät, während man es in die korrekte Position hält. Welches nun diese „korrekte Position ist“, darauf wird nachfolgend in diesem Artikel noch eingegangen. Nun springt die Messnadel an einen ganz bestimmten Punkt. Fortan lässt man die Messtaste los und dreht am großen Wählrad so lange, bis sich die grüne Nadel genau mit der Messnadel deckt. Als Letztes liest man an der Skala einfach die gewünschte Blenden- / Verschluss-Kombination ab. Schon hat man das richtige Ergebnis, welches man nun auf die Kamera übertragen muss.

ISO- / ASA-Kalibrierung

Natürlich muss man dem Sekonic Twinmate L-208 Belichtungsmesser zuvor noch mitteilen, wie hoch die Empfindlichkeit des in der Kamera eingelegten Filmes ist! Dies geschieht einmalig, indem man den Drehring so kalibriert, dass im „ISO-Fensterchen“ die richtige ISO (z. B. 100, für einen 100-ASA-Film) erscheint. Nun kann man mit korrekten Messergebnissen rechnen.

Lichtmessung und Objektmessung

Der eigentliche Vorteil eines externen Belichtungsmessers wie dem kleinen Sekonic Twinmate ist die Möglichkeit zur richtigen Lichtmessung. Sie werden vielleicht sagen: „Klar, ein Belichtungsmesser misst Licht“. Korrekt. Doch welches Licht genau? Betrachten wir uns hierzu ein sehr wichtiges Detail eines solchen Handbelichtungsmessers – die sogenannte Kalotte:

die Kalotte eines Belichtungsmessers

Im abgebildeten Zustand ist die Kalotte beiseite geschoben. Nun liegt der Mess-Sensor frei und kann direkt auf das Motiv gerichtet werden. Er misst das vom Motiv zur Kamera reflektierte Licht. Genau so funktionieren Belichtungsmesser, die in der Kamera eingebaut sind und liefern dadurch einigermaßen korrekte Ergebnisse. Diese Messmethode nennt man Objektmessung.

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Misst man jedoch ein Motiv aus, bei welchem vielleicht zu 1/3 Himmel mit im Bild ist, so wird auf diese Weise ein großer Teil der eigentlichen Lichtquelle mit in das Messergebnis mit einbezogen (der Himmel, wenn die Sonne nicht gerade hinter einem steht). Die Lichtquelle selbst jedoch sollte niemals Teil der Messung sein! Oder aber man misst einen schwarzen Pudel im Schnee an. Bei beiden Sujets denkt die Kamera / der Belichtungsmesser: „Mensch, ist das hell hier“. Dabei weiß sie natürlich nicht, dass lediglich das Motiv selbst von hoher Eigenhelligkeit bestimmt ist. Der Pudel würde als schwarzer Klecks ohne Detailzeichnung abgebildet werden, würde man das Messergebnis einfach übernehmen, wie es eine Kamera ohne „Matrixmessung“ tun wird. Denn jeder Belichtungsmesser geht von einem „mittleren Grau aus“.

Demzufolge besitzt der Sekonic Twinmate eine simple wie auch effektive andere Funktion zur (besseren) Messmethode: Die (reine) Lichtmessung. Bei der „Lichtmessung“ wird nur das reine einfallende Licht gemessen. Man nutzt hierzu die anfangs erwähnte Kalotte:

die Kalotte wurde vor den Belichtungsmesser geschoben

Hier sehen Sie, wie die weiße Kalotte nun vor das Messelement des Sekonic-Belichtungsmesser geschoben wurde. Nun handhabt man die Lichtmessung etwas anders:

Anstatt den Handblichtungsmesser einfach in die Landschaft zu halten, geht man mit dem Belichtungsmesser in der Hand einige Schritte vor die Kamera und hält ihn in Richtung Kamera. Nun drückt man die Messtaste und liest den entsprechenden Wert am Gerät ab bzw. liest anhand der Skala die korrekte Belichtungszeit ab. Was haben wir damit getan? Wir haben die Eigenhelligkeit des Motivs völlig außer Acht gelassen. Wir haben die tatsächliche Stärke des einfallenden Lichtes gemessen! Präziser geht es nicht.

Einschränkungen der Lichtmessung-Methode

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie haben die Kamera auf einem Stativ positioniert. In ca. sieben Metern vor Ihnen steht ein Baum mit einer prächtigen Krone. Darüber scheint die Sonne. Sie denken vielleicht: „Gut, stelle ich mich drei Meter vor die Kamera, schiebe die Kalotte vor meinen Sekonic Twinmate-Handbelichtungsmesser, halte jenen einfach in Richtung Kamera und betätige die Messtaste“. Leicht gefehlt! Denn Sie haben die Freundin unter der Baumkrone vergessen. Diese steht im Schatten! Sie müssen bei einer solchen Situation direkt vor die Freundin treten und den Belichtungsmesser von dort aus mit eingesetzter Kalotte in Richtung Kamera halten. Nur so erhalten Sie ein Messergebnis, bei welchem die fotografierte Person auch in den Schatten (dunkler Pullover) eine korrekte Zeichnung aufweisen wird. Selbst eine moderne Digitalkamera mit „Matrixmessung“ kann so etwas nicht vorher bestimmen bzw. „wissen“.

*Der Twinmate L-208 von Sekonic ist der wohl günstigste externe Handbelichtungsmesser. Er misst das Umgebungslicht entweder direkt (Motivmessung) oder via Kalotte. Gerade durch letztere Methode ist eine sichere Messung- bzw. ein korrekt belichtetes Bild möglich. Gesehen bei Amazon.

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Was bei diesem Beispiel nun aber mit den „Lichtern“ (hellste Bereiche) außerhalb des Baumes passiert, ist eine andere Geschichte. Moderne Digitalkameras besitzen nunmehr einen genügend hohen Kontrastumfang, um auch diese noch abbilden zu können, ältere nicht. Ein fotografischer Film der „100-ASA-Liga“ wird hier auch kaum Probleme bereiten, sofern es sich nicht um einen Dia-Film handelt.

Fazit

Ich habe die Messergebnisse des Sekonic Twinmate L-208 mit einigen anderen Belichtungsmessern verglichen: Die Messergebnisse waren alle gleich. Gerade, wenn man analog mit entsprechend alten Kameras fotografiert, wird man wohl um einen solchen Handbelichtungsmesser kaum herum kommen. Man kann sich zwar einen alten gebrauchten kaufen, doch hier wird man auf das Problem der alten Quecksilber-Batterien stoßen (die ja bekanntlicherweise nicht mehr verkauft werden [dürfen]). Der Sekonic Twinmate nimmt eine ganz normale 3V Knopfzelle des Typs „CR2032“ zur Stromversorgung. Diese Batterien gibt es im Edeka um die Ecke für wenig Geld zu kaufen.
Natürlich beherrscht der Twinmate Belichtungsmesser bei dem Preis keine Blitz-Messung, noch eine Spotmessung. Für Landschafts-, Interier- oder Portraitaufnahmen bei Dauerlicht ist er jedoch bestens geeignet. Insbesondere die Möglichkeit zur Lichtmessung via Kalotte sei hier erwähnt. So verhindert man gekonnt die klassischen Messfehler, welche durch die unterschiedliche Eigenhelligkeit des Motivs (weißer Hase im Schnee) umgehen werden können. Ok, dieser weiße Hase ist längst weg, wenn man versucht, von ihm aus in Richtung Kamera eine Lichtmessung vorzunehmen.

Artikeldatum: 9.09.2015 / letzte Änderung: 9. Mai 2017

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