Film für das Mittelformat Der Mittelformat-Rollfilm Typ 120

In diesem Artikel möchte ich mich zum einen dem Film für das Mittelformat zuwenden – dem 120er Rollfilm. Zum anderen habe ich an dieser Stelle auch eine kurze Anleitung über das Einlegen des Films geschrieben.

Google-Anzeigen

aufgerollter Rollfilm mit SchutzpapierEin aufgerollter Mittelformat Rollfilm. Er besteht aus dem Film selbst, welcher von einem langen Streifen schwarzem Schutzpapier umgeben ist und an einem Ende mit diesem verklebt ist.
links ein Mittelformat-Rollfilm und rechts ein 135mm Kleinbildfilm

Wie man gut sieht, ist der 120er Rollfilm viel größer als ein 35mm-Film für eine Kleinbildkamera.

verschiedene S/W-Rollfilme
Mehrere 120er Rollfilme von Agfa, Foma, Kodak und Ilford.

Der Rollfilm bzw. dieses Format existiert bereits wesentlich länger als der Kleinbildfilm (zumindest als Film für den Fotoapparat) – und wird freilich immer noch produziert. Bietet dieses Format zwar nicht die Flexibilität und Schnelligkeit des Kleinbildes, so lassen sich, ob der größeren Negativfläche, Bilder mit einer Qualität aufnehmen, die mittels Kleinbild schwierig bis gar nicht zu erreichen ist, von handelsüblichen Digitalkameras ganz zu schweigen.
Da man allerdings seine Bilder in der Regel wohl nicht immer als “Plakat” betrachten muss, kann man bei den heute sehr feinkörnigen Kleinbildfilmen durchaus auf das Mittelformat verzichten, wenn da nicht noch andere Vorteile wären:

Vorteile Mittelformat

Zusätzlich zu der enorm hohen “Auflösung” bietet das größere Format weitere Vorteile:

Die meisten Mittelformatkameras belichten den 120er Rollfilm im quadratischen 6×6-Format, was eben Bilder mit (nicht ganz) 6x6cm liefert. So passen auf einen Film 12 Bilder. Eine Perforation (Löcher an den Seiten) besitzen Rollfilme nicht. Sie werden in der Kamera (bzw. im Magazin) “gezogen”, nicht aber durch eingreifende Zahnräder transportiert, was Einbußen in der Transportgeschwindigkeit mit sich führt und einen weniger exakten Filmschnitt bedeutet , aber eben den Vorteil bietet, das gesamte Negativ bis kurz zum Rand für das eigentliche Foto ausnützen zu können. Gebräuchlich ist auch das 6×7 Format und (seltener) das 6×9 Format.

Nachteile Mittelformat

Es gibt aber auch eine Menge an Situationen, bei denen es wesentlich sinnvoller ist, die Kleinbildkamera zu benutzen und den Rollfilm zu hause zu lassen.

Die Lomografie & das Mittelformat

Diana Film einlegen

Auch in die bekannte Diana Kamera wird statt einem Kleinbildfilm ein120er Rollfilm eingelegt.

in die Holga Kamera einen Film einlegen

… ebenso wie in die Holga. Am besten ist, man hat einen alten Rollfilm, den man erst einmal zur Probe einlegen kann.

Vermeintlich erstaunlich ist, dass heute die beliebten Lomo-Spielzeug-Kameras wie die Diana oder Holga ebenfalls Rollfilm benutzen (und dabei zu den ganz wenigen Mittelformatkameras zählen, welche heute noch hergestellt werden). Dies hat aber zwei Gründe:

Film einlegen

Reklame / Preisvergleich

Ein lichtstarker, klassischer “Universalfilm” wie der Ilford HP5 – bei Amazon ab ca. 3,90 € (nicht den hohen Amazonpreis beachten) – gehört sicherlich zum Standardrepertoire eines jeden Fotografen, der mit Film arbeitet. Er verzeiht mehrere Stufen Überbelichtung bzw. hat einen sehr hoen Kontrastumfang.

Im Gegensatz zum Kleinbildfilm befindet sich der Mittelformat-Film nicht in einer Patrone. Er ist auf einen Kern (Spule) aufgewickelt, bzw. -gerollt und der Länge nach von lichtdichtem Schutzpapier umgeben. Das Prinzip ist: Der Film wird von Aufnahme zu Aufnahme in der Kamera immer weiter von einem Kern auf einen anderen umgespult. Das Prinzip des Einlegens eines Mittelformat-Filmes ist eigentlich immer das Selbe: Ein leere Spule ist zusätzlich zum eigentlichen Film erforderlich. Diese setzt man nun dort ein, wo sich der Drehknopf, die Kurbel oder der Spannhebel der Kamera befindet. Es ist darauf zu achten, dass die nun folgenden Schritte nur im Schatten durchgeführt werden:
Man löst vorsichtig das Klebeband des Filmes und rollt ihn (bzw. das Schutzpapier) ca. 15cm ab. Dieses Ende friemelt man nun in die bereits eingesetze Spule, setzt den Film am anderen Ende ein, hält ihn mit dem Daumen unten und dreht etwas am Knopf, so dass sich der Film strafft. Das war’s eigentlich schon.
Deckel rauf und durch das rote Sichtfenster schauen, indem man den Knopf weiter dreht, bis im Sichtfenster die 1 auftaucht. Bei Kameras mit Zählwerk beachtet man adäquat dazu dieses. Die Kamera ist schussbereit. Nach jedem Auslösen nicht vergessen, zur nächsten Ziffer weiter zu drehen, sonst kommt es zur Doppelbelichtung- sofern die Kamera hierfür keine Sperre besitzt. Nachdem man das 12. Bild gemacht hat, dreht man so lange weiter, bis kein Widerstand mehr zu spüren ist. Dann ist der Film komplett auf der anderen Spule und man kann ihn entnehmen. Die nun leere Spule benutzt man als gegenüberliegende für den nächsten Film. Zu beachten ist, dass jener stets stramm aufgewickelt sein sollte, damit zum einen kein Licht auf die Fläche gelangen kann, zum anderen aber auch damit der Film plan liegt und um bei Kameras mit Zählwerk Bildüberlappungen zu vermeiden. Am Ende befindet sich ein Papierstreifen, den es wie einen Briefumschlag zu befeuchten gilt um den Film abrollsicher zu verkleben, um diesen dann an einem schattigen Ort aufzubewahren. Diese kleine Anleitung noch einmal in Bildern:

eine leere Spule ist Vorraussetzung
An der Seite mit dem Drehknopf wird eine leere Spule eingesetzt. Hat man keine dieser Spulen, muss man leider einen Film opfern, welcher auf einer solchen aufgewickelt ist.

der Film ist eingelegt und muss gedreht werden
Das Ende des Filmes (bzw. dessen Schutzpapier) wird nun ein kurzes Stückchen abgerollt und durch die Spule gesteckt und auf der anderen Seite der Kamera eingesetzt. Nun wird der Rollfilm ein Stückchen auf die Spule gedreht. Es ist darauf zu achten, den Film mit den Daumen etwas abzubremsen, damit dieser straff aufgewickelt wird und somit plan liegt und kein Licht während des Ladens einfällt.

Google-Anzeigen

die Zahlen werden durch das Fenster abgelesen
Nun wird der Deckel geschlossen und der Film weiter transportiert, wobei währenddessen durch das rote Sichtfenster kontrolliert wird, wann die "1" sichtbar wird. Ist dies der Fall, ist die Kamera für die erste Aufnahme schussbereit. Es wird übrigens eine Zeit dauern, bis die erste Zahl im Sichtfenster erscheinen wird. Also keine Panik. Vorher müssen nämlich noch einige Zentimeter Schutzpapier abgespult werden, bevor die tatsächliche Filmschicht hinter die Optik gelangt. Für Unterhaltung wird vorher mit Punkten, Pfeilen und Hersteller-Schriftzügen im roten Sichtfenster gesorgt, die aber nicht relevant sind.


Hat man das 12. Foto gemacht, dreht man so lange am Drehknopf, bis kaum noch ein Widerstand zu spüren ist und im Sichtfenster nichts mehr zu sehen ist - der Film befindet sich jetzt komplett aufgerollt auf der vormals leeren Spule bereit zum Entnehmen. Zurück spulen, wie es beim Kleinbild der Fall ist, braucht man hierbei nicht. Erst jetzt darf man die Klappe auf der Rückseite öffnen, den Rollfilm herausnehmen und diesen an dessen Zunge zukleben. Fertig.

dieser Beitrag befindet sich in der Kategorie Zubehör

Diesen Artikel verlinken: www.fotografische.de/zubehoer/rollfilm-120

mehr?

verwandte Themen und Begriffe

Meinungen

Kommentare




Fotografische

Konventionelles, Unkonventionelles, Tipps und Tricks zur Fotografie

hier schreibt

... Tom über alles, was ihn fotografisch interessiert und mehr als drei Sätze ausmacht. Besonders interessiert ihn das Basteln, selber bauen und modifizieren von alten Kameras. Für ein tägliches Blog fehlt ihm die Zeit - und (zugegeben) auch die Geduld. Diese Seiten werden also nicht jeden Tag aktualisiert.

Seite durchsuchen

Fotoartikel bei Amazon

Holga HL Objektiv
Das Beste der Holga - ihre Plastiklinse - lässt sich nun auch separat kaufen bzw. bequem an der digitalen Spiegelreflexkamera für alle gängigen System verwenden - ohne Basteleien.

das Holga-Objektiv für die DSLR bei Amazon

Werbung

Der Belichtungsmesser zum ausdrucken

Belichtungsmesser zum selber machen Ein einfacher Belichtungszeitenrechner für die manuelle Kamera. Download Belichtungsrechner

Miniartikel

→ alle ansehen

Unterwegs mit der Lomo LC-A

Kategorie: Kameras

Lomo LCA Fotoein Foto der Lomo LCA

Werden heute eigentlich noch analoge Kameras hergestellt? Ja, natürlich! Die LCA von Lomo zum Beispiel!

den Artikel über die Lomo LCA lesen

Ausgefressene Ränder um Fotos

Kategorie: die Lomographie

dünner, schwarzer Rand bei einem Foto Indem man einige Bereiche innerhalb der Kamera mit Karton abschattet, entsteht an diesen Stellen später ein schwarzer Rand auf dem Foto.

Mehr oder weniger ungleichmäßige schwarze Rahmen bei Fotos lassen sich durch eine kleine Modifikation der Kamera recht einfach erreichen.

mehr lesen über ungleichmäßige Ränder bei Fotos

Die Bedienungsanleitung der Beroquick Electronic

Kategorie: Kameras

beirette electronicdie Beroquick / Beirette Electronic

Zwar muss man bei dieser Kamera zum Fokussieren die Entfernung zum Motiv schätzen, dennoch bietet sie durch die Zeitautomatik einen Komfort, den andere Kompaktkameras dieser Liga nicht aufbieten können! Hier nun die Bedienungsanleitung zur Kamera.

weiter zur Bedienungsanleitung der Beroquick bzw. Beirette Electronic

S/W-Bilder weich nachbelichten

Kategorie: Fotolabor

eine weich nachbelichtete FotografieBeispiel eines Bildes, welches im Labor zuerst härter belichtet wurde und anschließend eine weiche Nachbelichtung um das Hauptmotiv herum erfuhr.

Wer seine S/W-Fotos im eigenen Labor stets in nur einem einzigen Durchgang belichtet, verschenkt oftmals ein großes Potential der analogen Bildbearbeitung, wo doch die Technik des Abwedelns bzw. Nachbelichtens vielen Fotografien erst ihren speziellen Charme verleiht (steckt doch in einem Negativ in der Regel weitaus mehr Potential, als dass dieses mit nur einer einzigen Belichtung in ein Positiv umgewandelt werden kann). Noch einen Schritt weiter geht man, wenn man sich den Vorzug von gradationsvariablem Fotopapier zu Nutze macht, indem man nicht nur einfach nachbelichtet, sondern dafür zusätzlich noch eine andere Gradation verwendet.

öffne diesen Artikel über das weiche Nachbelichten von S/W-Fotos

Fotografieren mit der Einwegkamera

Kategorie: Kameras

EinwegkameraEine solche Einwegkamera ist mit einem ganz normalem Kleinbildfilm bestückt. Diesen kann man relativ leicht entnehmen bzw. auch einen neuen einlegen.

Die billigen Einwegkameras besitzen entsprechende Optiken, meist aus Plastik. Statt sie, wie eigentlich vorgesehen, nach dem Fotografieren wegzugeben, kann man den Film auch ziemlich einfach selbst entnehmen, gar mit etwas Geschick wieder mit einem neuen befüllen. Denn: die Bilder sind so schön schlecht, dass sich Einwegkameras so auch reichlich gut zur "Lomografie" eignen.

mehr über das Wiederbefüllen einer Einwegkamera lesen
 

nach Oben springen

Impressum

und noch'n Gedicht aus der Kategorie Zubehör:

ein Passpartout für Fotos
Ein Foto-Passepartout zur Erleichterung der Bestimmung des richtigen Bildausschnittes (Dies ist übrigens schon eine "Teleperspektive".) Was soll das denn sein, [...]