Konventionelles, Unkonventionelles, Tipps und Tricks zur Fotografie

Lichtzauber: So fotografiere ich bei Gegenlicht

Gegenlicht kann eine fiese Angelegenheit sein: die Kamera reagiert völlig überfordert und macht „dicht“: Man erhält dann oft nur eine dunkle Silhuette vor mittelhellem Hintergrund. Moderne Digitalkameras können aber auch bei solch starken Kontrasten gute Bilder liefern. Hier zeige ich, wie es geht.

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Ich selbst fotografiere am liebsten bei diffusem Licht: Alles ist gleichmäßig, demokratisch ausgeleuchtet. Über Probleme bei der Belichtung muss ich mir hierbei keine Gedanken machen. Meist funktioniert sogar die interne Belichtungsautomatik ohne Korrektur ganz wunderbar: Das Histogramm sieht dann meist immer so aus, dass jegliche Bildinformationen im grünen Bereich liegen bzw. dass nichts beschnitten ist.

Jedoch können Fotos bei einem solchen Licht schnell langweilig wirken, da sage ich Ihnen nichts neues. Wagen wir gleich den Schritt ins Extrem – Das Gegenlicht:

eine Landschaft im Gegenlicht

Ich persönlich mag dieses Bild sehr. Erst das Gegenlicht – die morgendliche Sonne – zaubert sozusagen diesen pastellfarbenen, warmen „Look“. Doch hätte ich einfach die Belichtungsautomatik meiner Kamera genutzt, dann hätte ich das Foto so niemals fotografieren können! Es wäre viel zu dunkel, der Vordergrund kaum sichtbar.

Denn das Gegenlicht schien direkt von vorne in die Linse. Der eingebaute Belichtungsmesser „denkt“ dann: Mensch, ist das hell hier, da belichte ich nur kurz. Und dieses „kurz“ ist in diesem Fall der falsche Weg! Es muss so (lange) belichtet werden, als wäre alles schattig!

Der Fotograf muss bei einer Gegenlichtsituation eine Korrektur an der Kamera vornehmen.

Das Problem bei viel Gegenlicht in der Fotografie ist also, dass der interne Belichtungsmesser des Fotoapparates falsche Werte liefert und damit die gewünschte Leichtigkeit einer solchen Lichtsituation nicht genügend wiedergibt. Die schönen hellen, typischen Pastelltöne erlangen ihre Wirkung nicht, das Foto wird zu dunkel.

ein Portrait im Gegenlicht

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Bei diesem Portrait kommt das Licht nicht aus Richtung Kamera und auch nicht von der Seite – sondern direkt von vorne. Normalerweise (bei automatischer Belichtung) wäre die Person völlig dunkel abgebildet, der Himmel aber normal. Bei diesem Beispielbild wurde beim Fotografieren jedoch die von der Kamera errechnete Belichtungszeit manuell verlängert (wie, erkläre ich gleich), um trotzt Gegenlicht dennoch das Gesicht abbilden zu können. Als Effekt erhält man den typischen Lichtschleier und kein richtig tiefes Schwarz: Das Foto wirkt leicht, die Farben oft pastellfarben.

Man kommt bei solchen Fotografien im harschen Gegenlicht also nicht umhin, selbst etwas in die Belichtung einzugreifen. Dies ist bei „normalem“ Licht bei den heutigen Kameras mit ihren ausgereiften Belichtungsautomatiken nunmehr kaum notwendig. Bei einer Situation jedoch, wo das (harte) Licht direkt von vorne in das Objektiv scheint, ist dies nicht zu umgehen – Es sei denn eine Kamera besitzt ein Motivprogramm „Gegenlicht“. So etwas ist mir aber nicht bekannt.

Wie bereits gesagt, muss die Belichtung etwas verlängert werden. Bei modernen Digitalkameras ist dies gut möglich: Man muss weniger Angst vor Überbelichtung haben als früher. Beim Thema Gegenlicht zeigt sich aber auch, was eine gute Kamera ist und was ein gutes Objektiv ist. Nun möchte ich jedoch gleich einmal aufzählen, was man am Fotoapparat einstellen kann, um bei Gegenlicht eine entsprechende Korrektur zu erlangen:

Modus AV TV P A benutzen

Um die nachfolgenden Tipps anwenden zu können, sollte man in einem der Automatikmodi der Kamera fotografieren – Ganz einfach! Sie können zwar auch im manuellen Modus „M“ fotografieren, die anderen rechen jedoch auch und es geht schneller. Nutzen Sie einfach Ihren Lieblingsmodus wie AV TV P oder A, nicht jedoch ein grünes „Auto“, denn damit können Sie keine Korrektur vornehmen. Jetzt wird es speziell:

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Spotmessung nutzen

Die einfachste Methode, etwa eine Person im Gegenlicht gut zu fotografieren, ist das Einstellen des in der Kamera integrierten Belichtungsmessers auf „Spotmessung„. Dies unterstützen jedoch nicht alle Kameras und die Spotmessung funktioniert auch nur bei relativ großen Objekten im Vordergrund (etwa ein Halbporträt). Man misst also eine solche Person an und die Kamera errechnet sich daraus die richtige Belichtung. Das Gegenlicht kommt hier überhaupt nicht in die Messung hinein, da ja der Messwinkel sehr schmal ist (Spot). Wenn dies nicht funktioniert, dann muss man zu Methoden greifen, die ich sogar an meinen analogen Kameras nutzen kann:

Die AE-L / AF-L Taste bedienen

Gute Digitalkameras besitzen eine Taste, die da meist heißt „AE-L / AF-L“:

die AE AF L Taste

Hier sehen Sie die besagte Taste an meiner Nikon-Kamera. Zunächst sollte dieser Knopf jedoch im Kameramenü konfiguriert werden!

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Was macht die AE-L / AF-L Taste ohne Konfiguration? Sie friert zum einen den aktuellen Belichtungswert ein, solange man darauf drückt (gut!). Sie blockiert aber auch den Autofokus (eher schlecht). Man sollte diese Taste zum Fotografieren bei Gegenlicht so im Kameramenü einstellen, dass sie lediglich als AE-Lock dient (AutoExposure – Lock = Automatische Belichtung Blockierung). Der Autofokus sollte sich weiterhin frei einstellen können.

Nun geht es los:

Die Kamera auf den Boden richten

Man richtet die Kamera auf den Boden, drückt die AE-L / AF-L Taste und richtet sie danach wieder auf das Motiv im Gegenlicht. Nun kann das grelle Licht von vorne den in der Kamera integrierten Belichtungsmesser nicht mehr beeinflussen! Wir drücken ja weiterhin die Lock-Taste!

Als nächstes wird bei gedrücktem AE-Lock-Knopf einfach der Auslöser angetippt (für den Autofokus) und danach ganz durchgedrückt: Das Foto wird gemacht.

Warum sollte man die Kamera zunächst auf den Boden richten? Auf dem Boden gibt es freilich kein Gegenlicht! Und daher messen wir an dieser Stelle die richtige Belichtung! Der Boden sollte aber nicht weiß sein (z. B. Schnee) oder schwarz (Kohlehaufen). Er sollte eine mittlere Eigenhelligkeit besitzen (Wiese, Asphalt, …). Ich arbeite sehr oft nach diesem Prinzip der Ersatzmessung! Auch bei normalem Sonnenlicht (von der Seite) nehme ich häufig eine Ersatzmessung auf den Boden vor.

ein Foto im Gegenlicht

Eine weitere Fotografie im Gegenlicht. Hier nutzte ich eine analoge Kamera. Ich richtete sie auf den Boden (mittlere Eigenhelligkeit), drückte die Messwert-Speichertaste, hielt die Kamera wieder hoch und löste aus. Hätte ich dies nicht getan, wäre das Bild völlig unterbelichtet, da das Gegenlicht den integrierten Belichtungsmesser täuschte!

EV + Funktion: Eine permanente Belichtungskorrektur nutzen

Eine weitere Möglichkeit, im Gegenlicht gute Fotos anfertigen zu können, ist das Korrigieren des integrierten Belichtungsmesser permanent (und nicht nur kurz via Tastendruck [AE-Lock]).

Hierzu haben gute Kameras im Menü die Funktion, eine EV-Korrektur vornehmen zu lassen. „EV“ steht für Exposure Value (Belichtungswert). Und diesen kann man dann ändern in z. B. -2 EV oder +3 EV.

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Einstellen vom EV-Wert

Hier habe ich bei meiner Kamera den EV-Wert auf „+3“ eingestellt. Was bewirkt dies?

Gegenlichtaufnahme mit normaler BelichtungEV-Korrektur bei Gegenlicht

Hier sehen Sie den Unterschied: Bei der ersten Aufnahme direkt in die Sonne wurde die Kamera ganz normal ausgelöst. Durch die sogenannte „Matrixmessung“ (eine intelligente Messmethode, die heutige Digitalkameras nutzen) wurde wenigstens der Vordergrund nicht zu dunkel wiedergegeben.
Beim der zweiten Fotografie jedoch wurde die EV-Taste benutzt: Es wurde eingestellt „EV +3“. Hierdurch wurden wesentlich mehr Details abgebildet und das Foto wurde viel heller. Allein: Bei solch einer wirklich krassen Gegenlichtaufnahme im Schnee muss im sogenannten „RAW-Modus“ fotografiert werden und dass Bild später im „RAW-Konverter“ auf dem Computer noch angepasst werden (insbesondere, was die hellsten Bildbereiche anbelangt).

Da jeder Fotoapparat nun bei Gegenlicht immer zu kurz misst (für eine richtige Belichtung des [schattigen] Vordergrundes), muss die Belichtung verlängert werden. Also muss der EV-Wert bei Gegenlicht in den Plus-Bereich korrigiert werden. Ein EV-Wert von +3 ist hier schon einmal ein guter Wert, sollte vor Ort aber – je nach Lichtverhältnis – überprüft werden.
Bei normalen Bildern sollte der EV-Wert jedoch wieder auf „0“ gestellt werden!

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Im RAW-Modus fotografieren

Ich tue dies immer. Doch insbesondere bei solch harschen Gegenlicht-Situationen wie bei den Beispielbildern im Schnee sollte man die Fotos im RAW-Format aufnehmen! Denn nur so können Sie sich einigermaßen sicher sein, dass durch den enorm hohen Kontrastumfang der Kulisse bei gleichzeitig reichhaltiger Belichtung auch (möglichst) alle Tonwerte aufgenommen werden (denn hier wird, rein technisch, mit den obigen Tipps reichlich „überbelichtet“). Nicht selten muss man dann nämlich die sehr hellen Lichterbereiche im „RAW-Konverter“ (ein Computerprogramm) zurück schieben, damit sie nicht ausfressen (reinweiß erscheinen). Bei einer simplen JPG-Datei ist dies nicht möglich und es droht ein Verlust an Bildinformationen („ausgefressener“ Himmel).

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Einen Reflektor benutzen

Das älteste Hilfsmittel bei Gegenlicht ist ein weißer Karton! Er reflektiert das Licht von vorne zurück hin zum Motiv / zur Person im Vordergrund bzw. im Schatten. So wurde bereits vor hundert Jahren fotografiert, denn die Technik ist wirklich simpel wie auch effektiv! Doch statt einem Karton oder einer Styroporplatte nehmen Sie einfach einen 5-in-1-Reflektor mit! Solch einen Reflektor möchte ich als das wichtigste Fotozubehör nennen. Ab ca. 15 Euro kann man mit solch einem Reflektor sehr gut in die Lichtgestaltung bei hartem Sonnenlicht eingreifen. Auf meinem Nachbarblock habe ich dem Faltreflektor einen ganzen Artikel gegönnt.

Einen Blitz zum Aufhellen nutzen

Viele Fotografen benutzen beim Abbilden der typischen „Model-im-Gegenlicht-Bilder“ einfach einen Aufsteckblitz auf der Kamera. Dieser hellt den Vordergrund auf, darf aber nicht zu dominant sein! Auch bei diesem Blitz muss also zwingend eine EV-Korrektur vorgenommen werden – hier jedoch im Minusbereich (gib der Kamera weniger [Blitz-] Licht). Das primäre Licht ist weiterhin das Umgebungslicht. Bei der Verwendung eines Blitzes zum leichten Aufhellen braucht die Belichtungsmessung der Kamera selbst nur auf +1 EV korrigiert sein, wenn überhaupt. Das muss man vor Ort immer ausprobieren.
Man kann durchaus auch mit dem integrierten Blitzlicht aufhellen! Hier bekommt jenes nämlich endlich einmal einen Sinn! Voraussetzung ist allerdings, dass die Person relativ nah vor der Kamera steht, denn die Leistung des in der Kamera eingebauten Blitzlichtes ist ja nun recht gering.

Aufhellen mit dem Blitz bei Gegenlicht

Hinweis: Das Model meint es nicht so bierernst.

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Hier wurde zum Aufhellen einfach ein Blitzgerät eingesetzt. Es leuchtet den Schatten vorne aus. Die Belichtung der Kamera selbst bildet das Gegenlicht eher natürlich ab (keine Überbelichtung). Man muss die Leistung des Blitzgerätes so einstellen (Blitz-EV-Wert auf Minus), dass es nicht zu stark ist – Ansonsten droht der Fototapeten-Look.

Fazit

Mit etwas Übung schafft man auch Gegenlichtsituationen recht einfach. Hierzu muss man aber seine Kamera genau kennen (bzw. deren Funktionalität) und verstehen, wie die integrierte Belichtungsmessung „tickt“ bzw. inwiefern sich diese gerne irreleiten lässt. Durch eine manuelle Korrektur kann dies jedoch wieder kompensiert werden. Gerade moderne Digitalkameras der letzten Jahre besitzen nunmehr die Möglichkeit für einen sehr hohen Kontrastumfang! Das heißt: Hier kann man reichlich überbelichten (auf die Schatten belichten) und dennoch gehen keine Bildinformationen (in den Lichtern) verloren. Man muss sie eben nur mit einem „RAW-Konverter“ wieder zurück holen. Hilfsmittel wie ein Blitzgerät oder ein Klappreflektor sind zu empfehlen, bei Kameras mit hohem Belichtungsspielraum jedoch kein Muss.

Artikeldatum: 13.12.2016 / letzte Änderung: 9. Mai 2017

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