Fotografieren mit der Holga macht Spaß: Diese seltsame “Lomo-Kamera” liefert Bilder fernab der digitalen Präzision und Detailgenauigkeit. Da Film in der Regel zumindest Überbelichtungen noch relativ gut über mehrere Blenden hinaus ausgleichen kann, lässt sie sich als “Spaßkamera” durchaus gebrauchen. Möchte man mit ihr aber bewusst künstlerisch arbeiten, bzw. soll jedes Bild den Lichtverhältnissen & Vorstellungen entsprechend sitzen, wird man schnell an Grenzen stoßen. Zwar gibt es einige gute Modifikationen, besser ist es, man setzt hier ganz woanders an.
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Es wäre doch schön, könnte man die Linse der Holga bzw. deren “Abbildungsqualität” auch an einem vernünftigen Kamera-Body nutzen, denn leider besitzt dieser Fotoapparat nur eine einzige Belichtungszeit von ca. 1/100 Sekunde. Hier bringt auch die ausgeklügeltste Modifikation nichts. Man kann natürlich an einem sonnigen Pfingstwochenende einen eher niedrig empfindlichen Film benutzen und im Sonnenschein durchaus akzeptable Bilder machen. Ein schöner Kastanienbaum allerdings schon zum Beispiel, mit einer Sitzbank vielleicht darunter und der Freundin darauf ließe die Holga hier allerdings kapitulieren: es wird schlichtweg zu dunkel sein – ein hier aufgenommenes Bild wäre hoffnungslos unterbelichtet. Es gäbe zwar die Option, hierbei einen Blitz zu benutzen, viel besser wäre es aber sicherlich, das vorhandene, natürliche Licht nutzen zu können.
Die Optik der Holga besteht aus nur einem einzigen Segment: einer äußerst billigen Meniskuslinse aus Plastik oder Glas. Diese lässt sich durchaus zum Fotografieren gebrauchen bzw. auch an ganz andere Fotoapparate wie z.B. an eine Spiegelreflexkamera adaptieren bzw. an Kameras, welche über mehrere Verschlusszeiten verfügen. Es wird also nicht die Holga modifiziert, sondern vice versa einfach eine andere Kamera – also wie bei dem Hund, der nicht zum Knochen will (wenn jemand diesen Spruch kennt).
Das für die Holga-Linse entsprechende Auflagemaß, bzw. der Abstand zwischen Film und Optik beträgt hier ca. 5,5cm bei Unendlich. Dies ist bei Rollfilm bzw. bei Mittelformat schon äußerst gering und schließt die erste (und hierfür sicherlich sinnvollste) Kameraart aus:
Es wird wohl kaum möglich sein, die Holga-Linse an einem solchen Apparat adaptieren zu können, da hierbei technisch (vor allem durch den großen Spiegel) bedingt ein Abstand zwischen Film und Optik von ca. 7,5 cm Vorraussetzung ist. Die Linse der Holga ist aber für ein solch hohes Auflagemaß nicht berechnet, wodurch ein Scharfstellen gegen Unendlich nicht möglich sein wird.
Alternativ lässt sich hierfür allerdings die vordere Linse der Pouva Start verwenden, welche (ohne hintere Korrekturlinse) für ein solch hohes Auflagemaß berechnet ist und dabei zwar nicht so schlechte Bildergebnisse liefert wie die der Holga, keinesfalls natürlich als wirklich scharf- und detailgenau zeichnend bezeichnet werden kann.

An einer DSLR lässt sich das Objektiv der Holga hingegen ziemlich gut anbringen, da hier das Auflagemaß weitaus geringer ist als bei einer Spiegelreflex-Mittelformatkamera. Die damit aufgenommenen Bilder wirken allerdings, hauptsächlich durch den geringen Durchmesser des Sensors, einfach nur… glatt – eben digital und irgendwie nach Phototoshop. Das Besondere an einem solchen Objektiv ist ja seine schlechte Abbildungsqualität an den Rändern und eben diese Ränder werden beim winzigen Digitalsensor gar nicht mehr abgebildet (sondern nur das scharfe Mittelfeld). Außerdem sieht man hier [bei mir] auch jeden Dreck auf dem Sensor. Nichtsdestotrotz ist es gerade hier aber verwunderlich, mit welch einem einfachem Mittel sich ein hochwertiges Objektiv ersetzen lässt und dabei dann dennoch “richtige” Fotos entstehen. Siehe auch: Holga HL Adapter für Canon EOS und Nikon Digitalkameras (oder eben auch Analogkameras)

Hiermit habe ich recht gute Erfahrungen gemacht. Entfernt man bei einem über z.B. Ebay billigst erworbenen Standardobjektiv niedriger Lichtempfindlichkeit das Glas und setzt dafür die Linse der Holga ein, lässt sich bequem nach Sicht scharf stellen und die Kamera ermittelt – sofern eine Belichtungsmesser eingebaut ist – die korrekten Verschlusszeiten.
Nachteil aber: Die Meniskuslinse der Holga schafft es nicht, ein gesamtes 6×6-Negativ korrekt auszuleuchten – ein Kleinbildnegativ allerdings weitaus eher, wodurch beim Gebrauch der Holga-Optik bei Kleinbildfilm nicht der typische “Holga-Look” erreicht werden kann. Oder anders ausgedrückt: die hübsche Vignettierung und Randunschärfe wird hierbei nur bedingt erreicht werden, da die Meniskuslinse der Holga auf einem Kleinbildfilm besser abbildet als beim größeren Mittelformat. Es kann versucht werden, die Blende höher als ca. 11 zu öffnen bzw. höher, als eigentlich für diese Optik gedacht. Dadurch treten die Fehler stärker hervor, das Bildzentrum wird dann allerdings immer unschärfer. Hier gilt es zu experimentieren.

Dieses System ist dafür aber geradezu prädestiniert für das Holga-Objektiv bzw. der Linse, gerade auch, da sich viele solcher alten Mittelformatkameras für einstellige Euro-Beträge per Ebay erwerben lassen.
Es gibt hierbei zwei Varianten: Balgen und Tubus. Erstere wird sich wohl kaum hierfür eignen. Bei den vielen Mittelformat-Tubus-Kameras lässt sich aber jener Tubus leicht ausbauen bzw. der Verschluss entsprechend nah an die Filmebene anbringen, um dem geringen Auflagemaß der Holga-Linse gerecht zu werden. Es ist darauf zu achten, eine Kamera zu verwenden, deren Auslöser direkt vorne am Verschluss betätigt wird, nicht aber am Gehäuse durch den Tubus hindurch (welcher hier ja entfernt werden muss). Die Braun Paxina beispielsweise mit ihren immerhin drei Verschlusszeiten (+B) hat sich hierbei sehr bewährt. Eine Agfa Isola beispielsweise eignet sich hierfür wiederum nicht. Ich benutze so eine Kamera auf zweierlei Arten: als “Holga” und als Lochkamera. Da das Objektiv hier eingedreht wird, lässt sich so recht gut anhand von Markierungen (welche man sich selbst macht) fokussieren.
Die Blende der Holga beträgt im original Gehäuse bzw. in der Objektivfassung ca. f/11 (zumindest aber nicht 8, wie auf dem Objektiv angegeben). Man kann nun die kleine Scheibe, welche die Öffnung der Holga-Optik bestimmt, einfach mit in die neue Objektivfassung einbauen, eleganter wäre es natürlich, man benutzt einfach die vorhandene Blende im “neuen” Objektiv bzw. Gehäuse. Diese wird sich auch noch weitaus größer öffnen lassen als für die Meniskuslinse eigentlich vorgesehen. Das Resultat dürfte dann eine weitaus höhere Lichtstärke sein, allerdings auch schon sehr unscharfe Fotos. Für so eine große Blendenöffnung ist die Linse natürlich erst recht nicht geschaffen. Hier muss/kann man experimentieren.
Es empfiehlt sich zum ungefähren justieren des Brennpunktes, verwendet man keine Spiegelreflexkamera für die Holga-Linse, eine Mattscheibe auf die Filmebene zu legen und dabei den Verschluss (B) geöffnet zu halten. So kann man grob den jeweiligen Abstand Linse-Filmebene ermitteln bzw. sich Markierungen am Objektiv machen, in wie fern bei welchem Abstand zum Motiv fokussiert werden muss. Hat man keine Mattscheibe zur Verfügung, lässt sich hierfür auch ein matter, transparenter Kunststoff bzw. entsprechendes Glas verwenden. Gut hierfür eignen sich auch Klarsichthüllen für Dokumente und zwar jene, welche eben nicht ganz klar sind, sondern etwas matter. Solch eine Folie schneidet man sich zurecht und befestigt sie möglichst plan genau dort, wo später der Film aufliegt. Präzision ist hierbei natürlich nicht möglich. Um diese soll es hierbei ja aber auch nicht gehen.
Zu erwähnen ist, dass es mittlerweile bereits einzelne Holga-Objektive zu kaufen gibt (also ohne Kamera hinten dran): Ein solches Objektiv nennt sich dann “Holga HL 1:8 60mm” und ist scheinbar nichts anderes als das original an der Mittelformatkamera verbaute inklusive der Fokussierschnecke aber eben auch einer einzigen, fixen Blende. Die jeweiligen Objektive besitzen die klassische Plastiklinse plus einen Anschluss zumindest für Canon EOS, Panasonic Lumix oder Nikon (DSL). Eine Übersicht gibt es z.B. bei Amazon. Hier lässt sich, ebenso wie jeder eigene Umbau, natürlich nur im völlig manuellen Modus fotografieren. Blende und Verschlusszeit muss selbst eingestellt- bzw. ermittelt werden. Wohl dem, der hier mein Belichtungsmesser zum selber bauen hat.
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... Tom über alles, was ihn fotografisch interessiert und mehr als drei Sätze ausmacht. Besonders interessiert ihn das Basteln, selber bauen und modifizieren von alten Kameras. Für ein tägliches Blog fehlt ihm die Zeit - und (zugegeben) auch die Geduld. Diese Seiten werden also nicht jeden Tag aktualisiert.
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Billige Kameras machen meist recht einfach gestaltete Fotos: zu schlecht um irgendwie schön zu sein, zu gut um einem gewissen Anspruch der "Lomographie" zu genügen. Durch eine kleine, aber recht folgenschwere Modifikation werden selbst die Bilder einer simplen Einwegkamera zum "Hingucker" - vorausgesetzt natürlich, man hat nichts gegen Unschärfe und falsche Farbwiedergabe.
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Eine meiner Lieblingskameras: die Smena Symbol. Sie benutzt handelsüblichen Kleinbildfilm, besitzt eine äußerst interessante Optik und ist dabei noch außergewöhnlich gut verarbeitet. Bei offener Blende lässt sich mit ihr vorzüglich lomographieren.
Mittelformat einfach – mit der Holga
Kategorie: ⇒ Kameras
Eigentlich war die Holga irgendwann einmal als einfacher Fotoapparat für den chinesischen Massenmarkt gedacht. Dank der langweiligen (?) Perfektion heutiger, moderner Kameras erfährt sie plötzlich wieder eine Art Renaissance - in den verschiedensten Holga-Versionen.
und noch'n Gedicht aus der Kategorie die Lomographie: