Lomo-Mittelformat-TLR Zwei Augen und ein Plastikblock – die Lomo Lubitel

Eine russische Kamera ist immer eine nähere Betrachtung wert – ganz besonders, wenn es sich dabei um eine original Lomo handelt. Die Lubitel, diese ulkige Voigtländer-Kopie aus St. Petersburg bzw. eher Leningrad, schreit geradezu danach, in die Hände genommen und ausprobiert zu werden.

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Die TLR-Kamera

Das Prinzip der zweiäugigen Spiegelreflexkamera, der Twin-Lens-Reflex-Camera (TLR), ist ungefähr genau so alt wie das Kleinbild-Prinzip der Leica. Es lässt sich in seiner Entstehung ungefähr in die Zeit datieren, wo – dank endlich genügend lichtstarker Filme – tragbarer Fotoapparate immer gefragter wurden, also in der Zeit ungefähr kurz vor dem ersten Weltkrieg.

die Lomo Lubitel TLR
Mittelformat TLR: Lubitel 166B

Erstaunlich ist, dass diese einfache Kamera die ja in ihrer Art quasi auf die Ur-Rolleiflex basiert, bis noch in die 1980er Jahre hergestellt wurde und die neu aufgelegte Lubitel 166+ heute wieder produziert wird! (Ob nun gänzlich neu oder aus Resten ist eine andere Frage.) Denn selbst schon in den 1980er Jahren dominierte zum einen längst der Kleinbildfilm den Markt für die “normalen” Fotos innerhalb des Verbrauchersektos, zum anderen eignet sich die Kamera aber auch gar nicht dafür, was man sich eigentlich vom mitlerweile professionellen Mittelformat verspricht: gestochen scharfe Fotos in sehr hoher “Auflösung”. Vorzüge besitzt diese Lomo aber dennoch, wenn auch ganz andere.

Allgemeines zur Lubitel

Lomography Lubitel
die Kamera von der Seite mit zusammengeklapptem Lichtschacht
Lichtschacht und Mattscheibe
Blick durch den Lichtschachtsucher und auf die “Mattscheibe” der Lubitel

Die Lomo Lubitel ist eine recht kleine Mittelformatkamera (in die man aber [bedingt] auch einen 35mm Kleinbild-Film einlegen kann) mit zwei Objektiven: die untere Linse dient, wie bei dieser Kamera-Art üblich, ganz normal zur Belichtung des Filmes, die obere ist lediglich dazu da, um über einen Spiegel und mittels einer “Mattscheibe” hindurch sehen- bzw. das spätere Foto komponieren zu können. Dieses Objektiv hat also mit dem späteren Foto überhaupt nichts zu tun, sondern fungiert nur zum “kucken”. Leider besitzt die Kamera keine echte Mattscheibe sondern lediglich ein Glas ähnlich einer Lupe, in dessen Mitte sich aber ein matter Punkt befindet, mittels welchem man das Bild so ungefähr scharf stellen kann. Dennoch ist selbst dieses Prinzip unbedingt einmal auszuprobieren: Die Kamera muss nicht mehr auffällig ans Auge gehalten werden und das Bild erscheint im Lichtschacht wie auf einem kleinen Monitor – wenn auch horizontal seitenverkehrt. Durch die Mattscheibe kann die Lubitel also auch direkt über dem Boden bzw. generell von einem tieferen Standpunkt ausgelöst werden, ohne auf eine Bildkontrolle verzichten zu müssen. Um Spiegelungen und Reflexionen auf dem “Bildschirm” zu verhindern, dient dessen Deckel und zwei sich gegenüber stehenden Klappen als Möglichkeit zur Abschattung – ein Lichtschacht halt.

Versionen & Unterschiede

Es wurden verschiedene Versionen der Kamera hergestellt. Die Unterschiede bestehen grob in folgenden Eigenschaften:

  1. die Komsomolets (Комсомолец) als Vorgängerin der Lubitel ohne gekoppelten Objektiven bzw. ohne Fokus-Kontrolle per Sucher, einfacherem Verschluss mit lediglich drei Zeiten (plus B), dafür teilweise mit richtigem Bildzählwerk. Mehr dazu bei Sovietcams.
  2. die “Urlubitel” mit gekoppelten Objektiven zum (ungefähren) scharf stellen und neuem Verschluss mit schon recht brauchbaren fünf Verschlusszeiten (+B).
  3. Lubitel 2: + Selbstauslöser und Blitzanschluss
  4. Lubitel 166: Plastik statt Bakelit
  5. Lubitel 166B: Lediglich die Merkscheibe für den eingelegten Film kam hinzu.
  6. Lubitel U – Universal: Sie besitzt einen besseren Schließmechanismus für die Rückwand (Rädchen statt einfaches Knöpfchen). Auf der Rückwand befindet sich nun außerdem noch ein zweites Fenster für die Nummerierungen des 6×4,5-Formates. Obligatorisch hierfür ist auch die entsprechende Einlegemaske (wobei auch bei der 166 B die 6×6-Maske herausgenommen werden kann).
  7. Lubitel 166+: Dies ist eine komplette Neuauflage der Universal und kann z.B. hier gekauft werden. Als auffälligste Neuerung ist sicherlich die Rückspulkurbel für den Kleinbildfilm zu nennen. Möchte man also auch einen 35mm Film mit der Lubitel belichten, ist man zur Filmentnahme nicht mehr auf einen lichtdichten Raum angewiesen.

Verschluss und Belichtung

Belichtungszeiten Skala und Blendenwerte
Belichtungszeit-Skala und Blende direkt am Objektiv. Ebenso zu sehen ist die Synchro-Buchse für den Blitzanschluss und der kleine Hebel für den Selbstauslöser. Nicht zu sehen ist hier der Anschluss für den Drahtauslöser.
der Zentralverschluss einer Kamera
Der Verschlussmechanismus: das “Herz” der Kamera. Ein Zentralverschluss vereint Objektiv, Blende und (hier) Selbstauslöser.

Wie bei (soweit ich weiß) allen TLRs besitzt auch die Lubitel einen Zentralverschluss – ein Belichtungsmechanismus also, bei welchem kein Tuch oder Metalllamellen als Schlitz vor dem Film die Zeit des einfallenden Lichts steuern, sondern eine sich kreisrund öffnende Vorrichtung direkt hinter dem Objektiv ähnlich einer Lamellenblende. Dies muss man aber nicht unbedingt wissen.
Links zu sehen ist der Verschluss, in welchem die Linse “eingebettet” ist, mit den Zeiten und den Einstellungen für die Blende.

Belichtungszeiten

Wichtiger zu wissen (und zu verstehen) sind aber die Belichtungszeiten: B (Langzeitbelichtung) 1/15 1/30 1/60 1/125 1/250 Sekunde. Hier hat man also genügend Auswahlmöglichkeit die Kamera zur richtigen Belichtung dem entsprechenden Umgebungslicht anzupassen. Einen eingebauten Belichtungsmesser besitzt die Lubitel natürlich nicht – schon gar nicht einen, der mit dem Verschluss gekoppelt ist. Demzufolge erübrigt sich auch ein Einstellungen von “Iso-Werten”, wie es bei Kameras mit eingebautem Belichtungsmesser notwendig ist (um diese auf den jeweiligen Film abzugleichen). Die ISO-Scheibe bei der neuen Lubitel 166 Plus hat also lediglich die Funktion als Merkhilfe.
Um die für die jeweilige Lichtsituation richtige Blende bzw. Belichtungszeit heraus zu bekommen, reicht aber in vielen Fällen ein einfacher Belichtungszeiten-Schieber zum selbst basteln.

Selbstauslöser

Der Verschluss der Kamera lässt sich auch mittels Selbstauslöser auslösen. Hierfür sollte es zwei Gründe geben: zum einen natürlich, wenn Du selbst mit auf das Foto möchtest. Zum anderen aber auch, um die Lubitel bei der 1/15 Sekunde möglichst frei von Verwackelung auslösen zu können, wenn man keinen Drahtauslöser hat.

Drahtauslöser

Am Verschluss befindet sich ebenfalls ein Anschluss für einen Draht- oder Fernauslöser. Ein Drahtauslöser ist gerade bei Langzeitbelichtung (Stellung “B”) sinnvoll, verhindert er doch z.B. beim Fotografieren nachts evtl. Erschütterungen beim Fotografieren mit langen Belichtungszeiten.

Blende

Erfreulich ist aber, dass die Blende des Objektives aus ganzen 8 Elementen besteht – dies ist bei solch einer billigen Lomo-Kamera nicht gerade üblich, für viele einfache russische Kameras aber typisch. So lässt sich ein gewünscht unscharfer Hintergrund bei leichtem Abblenden angenehm weich abbilden. Die höchste Öffnung liegt bei Blende 4,5 – die kleinste bei 22. Die Blende lässt sich stufenlos, also ohne Klicks, regeln.

die Objektive

Wie bereits schon erwähnt, ist ausschließlich das untere Objektiv für das eigentliche Foto zuständig. Die Lubitel (bzw. jede TLR) ist nicht mit einer (ebenfalls “zweiäugigen”) Stereokamera zu verwechseln.

  • das Sucherobjektiv

    Die obere Linse ist sehr einfacher Bauart (ein einziges Element) und hat eine Lichtstärke von 1:2,8 – ist etwas lichtstärker als das eigentliche Aufnahmeobjektiv / wobei die optische Qualität hier nur zum Beurteilen des Bildes dienlich ist.

  • das Aufnahmeobjektiv

    Die für das Foto relevante Linse der Lomo Lubitel ist einfach vergütet, besteht aus drei Elementen und besitzt dabei bei ihrer Brennweite von 75mm eine Lichtstärke von gerade mal 1:4,5 – äußerst schlecht also für ein Objektiv “normaler” Brennweite. Aber halt! Möchte man mit einer Lomo Kamera denn überhaupt scharfe Fotos und brilliante Farben? Ich denke, nicht. Für die Lomographie ist diese Kamera nämlich geradezu prädestiniert, zumal auch hier die typische Vignettierung und Unschärfe auftritt. Allerdings sollte man das Objektiv hierfür nicht zu sehr abblenden – und am besten gar nicht. Ansonsten werden die Fotos nämlich schon wieder zu “gut”.

Beide Objektive sind über äußere (sic!) Zahnräder gekuppelt. Fokussiert man also mit dem oberen Objektiv, so dreht sich automatisch das untere mit bzw. lässt sich so scharf stellen.

Sucher -Lichtschacht-Mattscheibe

Im Gegensatz zu den meisten anderen Kameras besitzt diese Mittelformat-Spiegelreflexkamera (nichts anderes ist die Lubitel) ein schon recht spezielles Sucher-System (wenn auch natürlich in billig): das vom Motiv reflektierte Licht gelangt durch das obere Objektiv auf einen Spiegel und wird nach oben auf die Mattscheibe (welche allerdings keine echte ist) geleitet. Dort erscheint das Bild links-rechts seitenverkehrt (aber nicht auf dem Kopf stehend) und lässt sich ganz gut betrachten. Die “Mattscheibe” befindet sich in einem aufklappbaren Lichtschacht, welcher die Scheibe zum besseren Betrachten vor seitlich einfallendem Licht schützt. Zum besseren Scharfstellen befindet sich im Deckel oben eine winzige Lupe, die man herausklappen kann.
Zu beachten ist, dass diese “Mattscheibe” nicht alles abbildet, was später auf dem Foto zu sehen ist! Sie ist schlicht zu klein und es gelangt etwas mehr auf das Foto als angezeigt. Ob dies bei dem neueren Model Lubitel-Universal, oder gar bei der Neuauflage der Kamera (+) gelöst wurde, kann ich nicht sagen. Allerdings besitzen auch andere Kameras dieses Problem.

richtig Scharfstellen

Mattescheibe mit Punkt zum scharf stellen
Zum “exakten” Scharfstellen der Mattscheibe eignen sich sehr gut vertikale Linien. Diese dürfen bei der richtigen Fokussierung zwischen Glas und mattem Punkt nicht verschoben sein.

Die Lubitel lässt sich ziemlich schlecht richtig scharf stellen. Es gibt hierbei aber zwei Möglichkeiten zum Fokussieren der Kamera:
Entweder man versucht eine gewisse Schärfe/Unschärfe in dem winzigen matten Punkt auf der Scheibe direkt zu erkennen (was eben bedingt möglich ist), oder aber man orientiert sich an dessen äußeren Rand und beachtet, ob sich Linien verschieben (siehe Bild). Letzteres ist, da ja die eigentliche Sucher-Scheibe nicht matt ist, sozusagen ein umgekehrtes Fresnell-Linsen-Prinzip.
Ansonsten sind auf dem Sucherobjektiv auch Entfernungsmarken in Metern (seltsamerweise mit den selben Werten, wie sie bei der Blende benutzt werden) abgebildet. An diesen lässt es sich am einfachsten und schnellsten orientieren, auch, wenn man die Entfernung hierbei natürlich mehr oder weniger schätzen muss. Der naheste abzubildende Schärfepunkt liegt hier bei ca. einem Meter, der weiteste natürlich bei Unendlich (Symbol: liegende 8).

Sportsucher

Möchte (oder muss) man die Kamera höher halten, was ein Betrachten des Bildes von oben nicht mehr möglich macht, kann auch den sogenannten “Sportsucher” benutzen. Eine einfache Vorrichtung, welche auch die meisten anderen TLR-Kameras mit Lichtschacht besitzen: Der Vordere Teil des Lichtschachtes kann hierbei nach unten geklappt werden, worauf sich dem Fotografen ein einfacher Rahmen zum Hindurchschauen darbietet. Sowohl Fokussieren als auch das halbwegs exakte Kontrollieren des Bildausschnittes ist hierbei natürlich nicht möglich. Dieser Sportsucher dient lediglich dazu, die Kamera zur Not auch direkt ans Auge halten zu können.

Blitz

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ein Synch-Blitzadapter fuer einen AufsteckblitzUm an einer Kamera ohne Mittenkontakt am Blitzanschluss einen normalen Aufsteckblitz anschliessen zu koennen, braucht man einen solchen Adapter Schuh-auf-Synchkabel (bei Amazon)

Mit einem eingebauten Blitz kann die Kamera natürlich nicht trumpfen, dies braucht sie aber auch nicht: keine TLR hat so etwas. Dies würde dann wohl auch das schön kompakte Äußere dieses Fotoapparates zunichte machen. Natürlich lässt sich aber ein externer Blitz anschließen, wenn auch nur über Synchronkabel. Es muss also das Blitzlicht über ein Blitzkabel angesteuert werden, welches Kamera und Blitz eben verbindet. Ein “kalter” Blitzschuh (ohne Kontakt) zum Aufstecken ist an der Seite der Lubitel vorhanden. Da die Lubitel einen Zentralverschluss besitzt, kann man auch bei jeder Belichtungszeit blitzen! So lässt sich der Hintergrund des Motives in seiner Helligkeit (z.B. dunkle Wolken [kurze Belichtungszeit] / heller Himmel [lange Belichtungszeit]) leicht gestalten, wobei das eigentliche Motiv im Vordergrund durch den Blitz immer richtig belichtet wird.
Die Blende der Kamera muss im Blitzbetrieb der Blitzleitzahl bzw. der entsprechenden Filmempfindlichkeit und dem Abstand zum Motiv angepasst werden. Siehe auch hier: richtig blitzen.

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Doppelbelichtungen mit der Lomo Lubitel

Genau so wie  z.B. bei der Diana oder Holga ist auch hier der Verschlussmechanismus vom Filmtransport getrennt. Bedeutet nichts anderes: mache so viele Fotos auf ein Bild wie dir der Hut steht.
Um Doppelbelichtungen zu vermeiden, muss man darauf achten, den Film nach jeder Aufnahme ein Stück weiter zu transportieren (Drehregler an der Seite der Lubitel). Auf der Rückseite befindet sich das berühmte rote Fensterchen, in welchem die Bild-Zahlen angezeigt werden. Selbstverständlich können hierfür auch Aufnahmen mit Blitz mit Fotos ohne Blitzauslösung(en) kombiniert werden.

einen Film in die Kamera einlegen

verschiedene Mittelformat 120 Rollfilme
Diverse 120er Rollfilme
Kamera geöffnet zum Film einlegen
die geöffnete Lubitel zum Film einlegen

Auch hier befindet sich jeweils eine Halterung für den Rollfilm selbst, sowie für eine leere Spule zum Aufnehmen bzw. Aufrollen von eben diesem. Und auch hier, wie es bei einfachen Mittelformatkameras üblich ist, ist auf der Rückseite ein rotes Fensterchen angebracht, durch welches man die jeweilige Filmnummer sehen kann. Zum Schutz vor Lichteinfall lässt sich dieses durch einen kleinen Knopf schließen. Ein richtiges Zählwerk hat diese Kamera natürlich nicht. Das Prinzip um den Film einzusetzen ist das selbe wie bei den meisten anderen Fotoapparaten, die für den Film 120 konzipiert sind – seien es die einfachen Klappfalter aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts oder z.B. auch die heutige Holga. Hier hatte ich eine kleine allgemeine Anleitung geschrieben: Film in die analoge Kamera einlegen

Bedienungsanleitung

Im Gegensatz zu einer Holga oder Diana ist die Bedienung der Lubitel alles andere als einfach – zumindest für Anfänger. Glücklicherweise gibt es freundliche Zeitgenossen, die eine deutsche Anleitung ins Netz zum download gestellt haben: klick.

Stativ

Zum Anschluss für ein Stativ steht ein entsprechendes, genormtes Gewinde zur Verfügung. Da die Kamera sehr leicht ist, der Spiegel konstruktionsbedingt nicht hochklappen kann und auch der Zentralverschluss so gut wie keine Vibrationen auf das Gehäuse ausüben dürfte, reicht für die Lomo Lubitel ein einfaches, billiges Stativ völlig aus. Bedauerlicherweise ist das Gewinde an der Unterseite der Kamera für die “Schraube” der meisten Stativplatten nicht tief genug (zumindest bei meiner Lubitel 166 B). Es muss hierbei also für einen festen Sitz eine Unterlage zur Erhöhung aus z.B. Gummi oder Kork aufgelegt bzw. befestigt werden.

Merkscheibe für Film

Außerdem verfügt die Kamera über eine Filmmerkscheibe an der Seite: hier lässt sich einstellen, welcher Film eingelegt ist – also Farbe oder S/W, sowie die jeweilige ISO-Empfindlichkeit. Diese Einstellung hat keinen Einfluss auf das Bild! Sie dient lediglich zum Merken (damit man auch nach einem Monat noch weiß, welcher Film in der Lubitel ist bzw. wie man diesen belichten muss).

Filter

Möchte man Farb-Filter auf dem Objektiv benutzen, so ist auch dies möglich. Allerdings passen hier leider nur solche mit dem eher exotischen Durchmesser von 40,5mm. Noch sinnvoller als Filter wäre aber eine Sonnenblende, welche man ja ebenso in das Gewinde drehen kann. Denn gegen Reflexionen durch Seitenlicht hat man bei dem “T-22-Objektiv” keine Chance. Was droht ist ein Verlust an Kontrast.

35 mm Film

35mm Film in einer Mittelformatkamera
ein 35 mm Film in der Mittelformatkamera
ein Winter-Foto mit 35 mm Kleinbildfilm in der Lomo Lubitel
Eine Aufnahme auf 35mm Kleinbildfilm in der Lubitel-Mittelformatkamera. Die Ränder mit der Perforation werden mitbelichtet.

Wie bei den meisten einfach gebauten Mittelformatkameras kann man auch hier statt einem Rollfilm Typ 120 einen herkömmlichen 35 mm Kleinbildfilm einlegen – und zwar (fast) ohne jegliche Modifikation oder Umbau! Die Kleinbild-Patrone wird einfach durch die Rückwand der Lubitel beim Zuklappen fest arretiert. Ein Fixieren des Filmes ist nicht nötig, dennoch lässt sich dieser dann einfach transportieren. Ich selbst habe bisher nur einen einzigen Kleinbildfilm so “missbraucht” bzw. sehe darin kaum einen Sinn (bis auf den netten Effekt halt, dass die Filmperforation eben mit belichtet wird). Da die Lubitel auf der Rückseite ein Filmfenster- und der Kleinbildfilm kein Schutzpapier besitzt, ist dieses Fenster – auch wenn davor ein Schutzschieber existiert – zur Vermeidung von Lichteinfall unbedingt mit etwas Klebeband zu zukleben. Arbeitet man ohne Maske, möchte man den Film also im extremen Hochformat bzw. (Kamera gedreht) im Panorama ca. 36x60mm belichten, so muss man ungefähr 50 Klicks zählen, bis man beim nächsten Bild angelangt ist. Einfacher und schneller geht es, man macht sich eine Markierung (einen Punkt) am Film-Drehknopf und eine am Gehäuse. Dann gilt es, den Knopf ca. 1 1/2 mal zu drehen, bis man beim nächsten Bild angelangt ist. Man kann sich aber auch aus dickerem, schwarzen Fotokarton eine 35mm-Maske anfertigen und diese in die Kamera einlegen bzw. befestigen, um das normale 24×36 mm große Format (bzw. mehr Bilder) zu belichten (die original-6×6-Maske lässt sich auch herausnehmen). Die entsprechenden Klicks müssen dann – je nach Maske – selbst gemessen werden. Hierbei hilft ein Probefilm, auf welchem man sich mit einem Filzstift Markierungen macht, und diese entsprechend abliest bzw. auf die Klicks achtet.
In jedem Fall ist natürlich darauf zu achten, dass nun die Mattscheibe der Lubitel mehr anzeigt als eigentlich abgebildet wird (da ja der Film kleiner ist). Außerdem benötigt man einen absolut dunklen Raum, um den Film überhaupt wieder aus der Kamera zu bekommen (gilt natürlich nicht für den 120er Rollfilm), da er ja nicht innerhalb der Kamera zurück in die Patrone gespult werden kann. Dies muss man manuell machen – aber eben nur im Dunklen!
Die neue Lubitel Universal 166+ besitzt allerdings eine zusätzliche Kurbel zum zurück Spulen. Hier kann man den Film dann auch im Hellen entnehmen. Mit dieser Kurbel lässt sich dann auch mit einem Mittelformatfilm zwecks mehreren Doppelbelichtungen herumspielen: vor und zurück; vor der Aufnahme / nach der zweiten, dritten, … Aufnahme und wieder zum Anfang – ganz nach eigener Fasson.
Siehe hierzu auch: 135 mm Kleinbildfilm in der Mittelformatkamera

Redscalefilm

In die Lubitel passt der Kleinbildfilm auch völlig verkehrt herum! – Also so, dass die eigentliche Rückseite des Filmes zur Linse zeigt. Möchte man also Fotos mit dem sogenannten Redscale-Effekt machen, so muss der Film hierzu gar nicht mehr extra modifiziert werden. Es funktioniert mit jedem Farbfilm.

Alternativen

die Yashica Mat im Größenvergleich
Größenvergleich: die (wesentlich wertigere) Yashica Mat 124G und die Lubitel

Wie bei vielen russischen Kameras üblich (z.B. Kiev 88 → Hasselblad; Zorki & FED → Leica) basiert auch die Lubitel auf ein westeuropäisches Vorbild: der “Voigtländer Brillant” (welche wiederum auf die ersten Rolleicord-Modelle basieren sollte, welche wiederum…). Von diesen gibt es eine ganze Reihe an Modellen, von welchen evtl. die ganz späten mit besserem 1:3,5er Objektiv nicht mehr relevant sein sollten.
Mit der “Blackbird Fly” existiert seit einiger Zeit eine Kamera ganz ähnlicher Bauweise – allerdings für den Kleinbildfilm. Ich selbst habe sie nicht ausprobiert, glaube allerdings auch nicht, dass eine solche Kamera mit der Lubitel gleich auf liegt, zumal sie technisch ja weitaus dürftiger ausgestattet ist / zumal auch Kleinbild. Genau so verhält es sich mit der TLR-Kamera zum selber bauen, der Gakkenflex TLR (obwohl so etwas schon wieder witzig ist). Zu erwähnen sei an dieser Stelle vielleicht auch die zweiäugige Holga-Version, die 120TLR. Zwar gibt es noch weitere durchaus sehr günstige TLRs auf dem Gebrauchtmarkt (z.B. die chinesische Seagull Kamera, diverse Yashicas und die sehr schönen tschechischen Flexaret-Modelle), doch diese Fotoapparate sind allesamt keinesfalls mit den optischen Eigenschaften gleich zu setzen, die für die Lubitel charakteristisch sind – sie sind schlichtweg mehr oder weniger “gute” Kameras. Wer sich für die Zweiäugigen generell interessiert, dem schlage ich vor, einmal hier vorbei zu schauen.
Muss es nicht unbedingt das Mittelformat (und dazu das “Doppelobjektiv-Prinzip”) sein, so empfehle ich ja immer gerne eine Kamera aus dem selben Hause wie die Lubitel: die Smena Symbol.

Sonstiges

Maske für 6x6-Rollfilm
Die Filmmasken lassen sich herausnehmen bzw. wechseln. Zu sehen ist die Maske für das 6×6-Format. Lässt man diese Bildbühne ganz weg, so erhält man eine schlechtere Planlage, evtl. Lichteinfall (Lightleaks) und Kratzer auf dem Film. Außerdem wird der Film entsprechend mehr (einschließlich Rand) belichtet.

Das Innere jeder Kamera – zumindest der Platz, wo sich der Film befindet – muss möglichst wenig Licht reflektieren (und ist darum auch immer schwarz lackiert). Zwar wird uns hier falsch gelenktes Licht eher begeistern als stören, dennoch sollte man die Lubitel innen mit etwas matt-schwarzem (Foto-) Karton auskleiden, denn mit Reflexionen im Inneren (gerade bei längeren Belichtungszeiten) riskiert man hier lediglich nur ein zu flaues Foto ohne ausreichende Kontraste. Die schwarze Farbe im Innern des Kamera-Bodys reflektiert selbst nämlich noch zu viel Licht. Ich habe den Karton einfach mit doppelseitigem Klebeband fixiert und es funktioniert so ganz prächtig. Da fällt mir etwas ein: einbelichtete Ränder um Fotos

Außerdem ist immer schön auf die Rückwand der Kamera zu achten: Diese lässt sich nämlich zum Einlegen eines Filmes sehr einfach öffnen – zu einfach. Ein kleines Knöpfchen auf der Rückseite hält sie geschlossen. Also die geladene Lubitel niemandem zum Spielen in die Hände geben, ohne auf das einfache (bzw. versehentliche) Öffnen hinzuweisen. Bei der neueren “166U” wurde dieses Problem allerdings mit einem Drehrädchen gelöst.

Lubitel Fotos

Ein paar Beispielbilder der Lomo Lubitel sollen hier natürlich nicht fehlen. Fotografiert wurde stets mit offener Blende – f/4,5. Das Licht hatte ich mit einem externen Handbelichtungsmesser gemessen (auch wegen dem Schnee). Die Negative habe ich direkt einescannt.
Lomo Lubitel
Hochhaus
lomography
Taube in der Stadt
Lubitel 166U
Da bekannt ist, dass eine solch einfache Linse, wie sie die Lubitel hat, recht weich abbildet (gerade, wenn nicht abgeblendet wird und bei trübem Wetter), habe ich den Film etwas länger entwickelt als eigentlich notwendig. Dadurch wurde der Kontrast bzw. die Gradation etwas angehoben. Gibt man seine Filme zum Entwickeln ab, kann man hierfür versuchen “Push 1″ oder “Push 2″ (noch steiler) mit auf die Tüte schreiben – zumindest bei S/W-Filmen. Ob dies beachtet wird, muss man ausprobieren. Wahrscheinlich wird man dann auch mehr bezahlen müssen. Auffallend bei den Fotos ist auch ein dunkler Streifen unten und gerade oben. Ich habe keine Ahnung, woran das liegt. Ansonsten fällt bei den Bildern auf, dass die Lomo Lubitel schlecht wirklich scharf abbilden kann (bei offener Blende wohlgemerkt) und eben, dass das Objektiv stark zur Vignettierung neigt. Aber gerade hierfür benutzt man sie ja auch.

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Fazit

Eines muss man der Kleinen lassen: so einfach und billig sie auch konstruiert ist: sie funktioniert dabei ziemlich gut. Ganz gewiss ist diese Lomo keine Mittelformatkamera, mit welcher man entsprechend scharfe und detailgenaue Fotografien machen kann. Noch lange reicht sie nicht an andere verhältnismäßig günstige TLR-Kameras heran wie beispielsweise die Seagull. Dennoch erfordert sie ein gewisses technisches Grundwissen, was die Fotografie anbelangt - mit all den Möglichkeiten, die durch die manuellen Funktionen gegeben sind. Wenn aber ein Fotoapparat richtig Spaß machen- und dabei noch eine Vielzahl an (eigentlich zur Fotografie notwendigen) Einstellungen besitzen soll, dann kann man mit der Lubitel nichts falsch machen, zumal sie recht günstig zu erwerben ist. Sie ist eine der wenigen Kameras, welche - bei geöffneter Blende - richtig schlecht abbildet, dennoch aber durch einer Mechanik mit diversen Verschlusszeiten zur korrekten Belichtung positiv auffällt. Hier kann man also endlich einmal beides haben: schlechte Bilder und genügend Einstellmöglichkeiten.

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Fisheye-Jung

Wieso ist auf der Mattscheibe bei dir unten so ein strich? Dasist bei mir nicht. Aber ein ausführlicher Artikel. Du hast ja nichts ausgelassen.
Jung

admin

Hehe, gut beobachtet. Mein Spiegel ist zu Bruch gegangen und ich musste irgendwie für Ersatz sorgen (halber Minispiegel aus der Drogerie). Das Stückchen, was jetzt drin ist, ist etwas zu klein (es geht aber auch so, wie man sieht).

Isma

Schöner Bericht. Ich habe auch ein solches Schätzchen und wollte einen Tip loswerden, nachdem ich selber länger gesucht aber nichts gefunden habe:

Manchmal “entkoppelt” sich das Objektiv. Um es wieder zu justieren muss man von Innen die 4 Schrauben lösen (magnetisch, SEHR praktisch!) und dann das untere Objektiv leicht nach unten drücken. Die richtige Einstellung ist dann:
Oberes Objektiv auf unendlich stellen, unteres “ganz” fest schrauben. Wenn es fest ist, dann die Stelle zwichen 1/15 und Drahtauslöseranschluss markieren und diese Stelle dann Durch zurückdrehen des Objektives wieder ganz nach oben bringen, dass sie Kontakt zum oberen Objektiv hat. (Mitte/Mitte)
Man kann die Einstellung kontrollieren, indem man bei aufgeklappter Rückwand ein transparentes Papier, zur Not eine matte Mülltüte klebt, und sich die Schärfe unter einem dunklen Tuch anschaut.(oder Pullover über den Kopf ziehen)
Bilder unter http://vilcand.de/lomo

admin

Hallo “Isma” und danke für deinen Tipp! Bei meiner Lubitel hatte ich tatsächlich auch das Problem, dass sich beide Objektive einmal nicht mehr miteinander drehten. Glücklicherweise habe ich noch eine alte Mattscheibe aus einer ausgedienten Rolleicord. Ich hatte diese dann an die Rückseite gehalten und konnte so beide Objektive (also auch das Aufnahmeobjektiv) auf den Kirchturm scharf stellen. Die Sache mit der Markierung ist aber auch ein guter Anhaltswert. Die Lösung mit deiner “Behelfsmattscheibe” in Form einer Tüte finde ich gut.

v.

habe mir gerade eine lomo166, gekauft und laufe nun durch w. … danke für die anleitung,sie hat mir sehr geholfen

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Fotografische

Konventionelles, Unkonventionelles, Tipps und Tricks zur Fotografie

hier schreibt

... Tom über alles, was ihn fotografisch interessiert und mehr als drei Sätze ausmacht. Besonders interessiert ihn das Basteln, selber bauen und modifizieren von alten Kameras. Für ein tägliches Blog fehlt ihm die Zeit - und (zugegeben) auch die Geduld. Diese Seiten werden also nicht jeden Tag aktualisiert.

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