Konventionelles, Unkonventionelles, Tipps und Tricks zur Fotografie

Alte analoge Nikon Nikkor Objektive an der digitalen Spiegelreflex

Im Gegensatz zu z. B. Canon kann man an jeder digitalen Nikon DSLR durchaus auch die ganz alten „analogen“ Objektive weiter benutzen. Ja, man benötigt hierzu auch keinen Adapter! In diesem Artikel möchte ich etwas über diese „Ai-Objektive“ erklären sowie meine persönliche Arbeitsweise damit vorstellen.

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Ich mag Nikon einfach. Ich verwende derzeit eine digitale Nikon-Spiegelreflex (eine Nikon D200) sowie auch eine analoge Nikon Kleinbildkamera (eine FE2). Zwischen beiden Kameras liegen ungefähr 20 Jahre, was deren Produktion anbelangt. Doch an beide lassen sich die selben alten analogen Objektive ansetzen und dies (bei meiner D200) ohne Kompromisse!

Die guten alten Nikkor Ai- und AiS-Objektive

analoge Nikon Objektive

Ich fotografiere sowohl digital als auch analog. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass meine alte FE2 (eine super Kamera im Übrigen!) mit einem Diafilm eine noch höhere Auflösung erreicht als eine Vollformatkamera. Ein weiterer Grund, warum ich weiterhin analog mit Film fotografiere ist natürlich der, dass die benötigten (grundsoliden) Kameras auf dem Gebrauchtmarkt spottbillig zu haben sind!

*Alte "analoge" Objektive mit dem damals weit verbreiteten "M42-Anschluss" lassen sich hervorragend mit einem solchen Adapter (Amazon) an moderne Digitalkameras adaptieren.

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Und ganz genau so verhält es sich ebenfalls mit den alten Nikkor-Objektiven. Die alten „Ai-Objektive“ (bzw. „Ai-S“) sind technisch hochqualitative Optiken. Entsprechende Tests kann man beispielsweise bei der Koryphäe  Ken Rockwell nachlesen (englisch). Das Beste: an vielen Nikon DSL-Kameras lassen sich die guten, alten Nikon-Objektive ebenso verwenden wie natürlich an den analogen Kameras, für die sie ursprünglich gebaut wurden.
Denn Nikon setzt seit jeher auf das F-Bajonett. Das heißt, dass seit den 1950er Jahren jegliche Nikkor-Linsen mit eben diesem – im Ursprünglichen immer gleich gebliebenen – Kameraanschluss hergestellt werden. Für mich ist das ein ganz entscheidenes Argument, wenn ich mich zwischen Nikon oder z. B. Canon entscheiden müsste. Bei Canon passen die alten („FD“-) Objektive nicht an die modernen EOS-Kameras. Hier muss man dann mit Adaptern arbeiten, um z. B. sogenannte M42-Objektive nutzen zu können, was weit weniger komfortabel (Blendenübertragung, Matrixmessung) ist, als ein direktes ansetzen des Objektives. Ich hingegen kann bei meinen günstigen „analogen“ Objektiven sozusagen einfach die Kamera dahinter ganz nach Gusto wechseln – ob analog oder eben digital / egal.

analoge Objektive an Digitalkamera

Wenn Sie mal ein richtiges Objektiv aus Metall! in der einen Hand hatten und ein billiges „Kit-Objektiv“ in der anderen, dann werden Sie sicherlich auch meine Meinung teilen, dass das Arbeiten mit ersteren weit schöner vonstatten gehen kann, als mit den Plastikbombern (bis natürlich, was den Autofokus angeht).

Nikons AI- bzw. AI-S-Objektive (so lauten die konkreten Bezeichnungen) sind äußerst wertige Optiken mit butterweich gängigem Fokus und satt einrastender Blende. Mein 28mm Weitwinkel hat mich per Ebay ca. 40 Euro gekostet. Das 50mm-Objektiv kam seinerzeit mit der FE2 zusammen und für dieses Set gab ich ca. 120 € aus. Ein Witz, wenn man bedenkt, dass dies Nikkor-Objektive von sehr guter optischer wie auch haptischer Qualität sind!

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Welche analogen Nikon-Objektive gibt es?

Es lassen sich grob 3 verschiedene Bauformen unterscheiden:

  1. Zunächst waren da die „normalen“ Nikkor-Objektive (non Ai-Objektive) ohne Blendenübertragung direkt am F-Bajonett, um dem kamera-internen Belichtungsmesser mitzuteilen, welche Blende gerade vorne eingestellt ist. Hierzu diente nämlich der obligatorische Blendenmitnehmer, die sogenannten Hasenohren, welche sich später auch noch an vielen moderneren Nikkor-Objektiven wieder finden (obwohl sie an moderneren analogen Nikon-SLR-Kameras gar nicht mehr nötig sind).Diese ganz alten Nikkore erkennt man daran, dass sie keine zusätzliche „Mini-Blendenreihe“ dicht am Bajonett aufgedruckt haben und dass sie keine Aussparung am Bajonett besitzen. Hinweis: Diese ganz alten Non-AI-Objektive lassen sich nur an sehr wenige Digitalkameras nutzen.
  2. Blendenring und BlendenmitnehmerAchten Sie darauf, dass das Nikkor diesen Blendenmitnehmer (Aussparung am Blendenring) besitzt bzw. die kleine zusätzliche Blendenskala.

    Nikon Ai-Objektive hingegen benötigen diese „Hasenohren“ nicht mehr zwingend. Denn „AI“ steht hier für „Aperture Index“ und bedeutet ungefähr soviel, dass die am Objektivring eingestellte Blende ganz geschmeidig an die Belichtungsautomatik der Kamera übergeben wird. Hier wird der Blendenwert direkt mittels einem Ring am F-Bajonett an die Kamera übermittelt (was heute bei vielen Nikon-Digitalkameras noch vorhanden ist). Diese Objektive passen an eine Vielzahl an heutige moderne digitale Spiegelreflexkameras von Nikon.

  3. Nikon Ai-S-Objektive sind zunächst Ai-Objektive doch mit zusätzlicher Möglichkeit, die Blende auch durch die Kamera steuern zu können (wie bei allen modernen „digitalen“ Objektiven). Sie sind an einer zusätzlichen Kerbe an der Bajonett-Rückseite zu erkennen. Diese Blendensteuerung durch die Kamera wurde damals wegen der neuen „Programmautomatik“ nötig.
    Nikon Objektive der Serie E sind Ai-S-Objektive aber in günstiger Plastikfassung. Solche Objektive würde ich mir nicht unbedingt kaufen, denn die mechanisch besseren AI(S)-Objektive sind vom Preis her heute nicht wesentlich teurer. Die Serie-E-Nikkore besitzen die „Hasenohren“ nicht mehr.

Nikon Bajonett F

Hier sehen Sie das Nikon-F-Bajonett. Ganz oben ist ein modernes Kitobjektiv zu sehen. Unten die beiden AI-Objektive. Die Anschlüsse sind gleich!

Welche „analogen“ Nikkore passen an welche digitale Spiegelreflex?

Bevor Sie sich dazu entscheiden, sich günstig mit hochwertigen alten Nikkor-Objektiven auszurüsten, überprüfen Sie bitte, welche der drei Gattungen an Ihre Digitalkamera passt. Denn hier gibt es feine Unterschiede! Schauen Sie hierzu bitte nochmal bei Ken Rockwell vorbei: Diese Liste zeigt eine schöne Übersicht, welches alte Nikkor an welche digitale Nikon passt.

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An meine Nikon D200 passen „nur“ die AI- sowie die AIS-Objektive. Zusätzlich funktioniert freilich die Springblende und die Blendenwertübertragung an den eingebauten Belichtungsmesser. So kann ich die gesamte Belichtungsautomatik meiner D200 (Matrixmessung, Spotmessung) ohne Einschränkungen nutzen.

PC Nikkor 35 mm Objektiv

Meine neueste Anschaffung: Ein echtes Shift-Objektiv. Auch dieses Nikkor PC 35mm passt an meine Nikon Digitalkamera.

*Das Objektiv der Lomo Holga gibt es jetzt auch einzeln für z.B. Canon oder Nikon-Digitalkameras zu kaufen! Man schraubt es einfach auf die Digitalkamera und erhält den typischen "Lomo-Look". Verschiedene Anschlüsse verfügbar (bei Amazon).

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Was funktioniert nicht?

Natürlich der Autofokus 😉 Denn einen solchen gab es damals ja gar nicht. AI-Objektive müssen manuell von Hand fokussiert werden. Nikon stellt allerdings bei den digitalen Kameras eine Fokussierhilfe bereit: Ist die Schärfe korrekt auf das jeweilige (natürlich auch hier wählbare) Fokus-Messfeld eingestellt, erscheint ein grüner Punkt im Display der Kamera.
So eignen sich die manuellen Objektive hauptsächlich bei der Landschaftsfotografie und bei der Portraitfotografie: Bei Situationen also, bei denen man genügend Zeit und Muße hat, sich ruhig auf das Fokussieren zu konzentrieren. Bei der nächsten Hochzeitsfeier beispielsweise, also im Trubel, würde ich dann doch eher zum Autofokus-Objektiv greifen.

Obacht bei Offenblende

Test vom Shift ObjektivBei Blende f/2.8 ist eine sogenannte „Chromatische Abberation“ klar sichtbar. Blendet man bereits um einen Wert ab, verschwindet der Bildfehler.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass alte, „analoge“ Objektive bei Offenblende an einer Digitalkamera für sogenannte „chromatische Aberrationen“ sorgen können. Dieser optische Fehler macht sich insbesondere durch bläulich / lila Farbsäume an Bildkanten (z. B. der Kirchturmspitze) bemerkbar. Blendet man das Objektiv jedoch etwas ab, verschwinden diese Fehler. Daher ist ein solches altes Objektiv, welches ursprünglich nicht für Digitalkameras gerechnet worden ist, wahrscheinlich eher weniger dafür geeignet, bei ganz geöffneter Blende benutzt zu werden, um Unschärfe zu erzeugen. Das ist ein Manko, welches nicht verschwiegen werden darf. Meine eigene Arbeitsweise sieht hingegen so aus, dass ich immer recht stark abblende, um eine möglichst hohe Schärfentiefe zu erlangen. Dementsprechend bin ich hiervon nicht betroffen.

Chromatische Aberrationen lassen sich jedoch zu einem gewissen Teil auch in der Bildbearbeitung entfernen.

Zonenfokus: Legen Sie sich Schärfebereiche manuell fest!

Zonenfokus einstellenFokussieren nach Zonen: Arbeitet man mit Blende 8 so stellt man an den hierfür relevanten (roten) Strichen die Meterangaben gegenüber, welche man noch als scharf abgebildet haben möchte (für Blende 11 gelten die gelben Striche usw.). Bei f/8 wird bei Blende 8 wird bei diesem Objektiv (28 mm) alles zwischen ca. 1,4 m und 5 Meter scharf abgebildet werden. Diese Angaben beziehen sich immer auf das Vollformat. Bei Crop-Sensoren (DX-Format) wird die Schärfentiefe noch etwas höher sein. Ich nutze bei meiner D200 dennoch diese Werte und zwar als „konservative“ Werte.

Ich möchte an dieser Stelle einen Punkt ansprechen, der in Zeiten von Autofokus offenbar kaum noch Verwengung findet (aber nie unwichtig geworden ist!). Es geht darum, dass man sich mit der Blende und der manuellen Fokussierung ganz spezifisch Schärfebereiche aussuchen kann, bei denen eben entsprechende Elemente im Bild scharf abgebildet sind. Diese (simple aber ebenso effektive) Technik nennt man Zonenfokus. Ein Beispiel: Bei meinem Nikkor AI 50mm 1:1.8 stelle ich zunächst den Fokus auf z. B. 5 Meter fest ein. Als Blende wähle ich beispielsweise f/11. Nun kann ich an der Skala des Objektives ablesen, von wann (vorne) bis wann (hinten) mein Bild scharf sein wird: nämlich wird nun von ca. 3 Meter bis Unendlich alles scharf abgebildet sein. Eine solche fotografische Vorgenensweise ist essentiell, wenn man bei z. B. Landschaftsaufnahmen keinen aufgequollenen Vordergrund im Bild haben möchte. Achten Sie einmal auf entsprechende Bilder. Das sieht doch nicht schön aus! Dies ist gerade bei Vollformatkameras wie der Nikon D750 oder D800 mit ihren „FX-Chips“ relevant, denn durch den größeren Chip der Vollformatkameras hat man automatisch bei (gleichem Bildwinkel!) auch eine geringere Schärfentiefe, da hier grundsätzlich (für den gleichen Bildwinkel) mit längeren Brennweiten gearbeitet werden muss und dann der Abbildungsmaßstab eben größer ist. Genau so verhält es sich natürlich auch im analogen Kleinbild. Bei Digitalkameras mit den kleineren (crop) DX-Sensor dagegen besteht physikalisch bedingt immer eine größere Schärfentiefe (da hier mit kürzeren Brennweiten fotografiert wird) und das Problem taucht hier weniger auf (erst recht, wenn man das Foto später nur in kleinen Formaten [Vorsicht bei dem winzigen Kameramonitor!] betrachtet).
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Es gibt ein sehr schönes Tool, mit welchem man sich für jede gewünschte „Schärfenzone“ die Einstellungen für die jeweils benutzte Kamera (bzw. für die Größe ihres Sensors) ausgeben und auch ausdrucken kann: Schärfentiefe-Rechner von Erik Krause. Die Schärfentiefe wird im Angelsächsischen übrigens auch mit „DOF“ abgekürzt (Depth of Field). So lassen sich viel feiner strukturierte Listen für die jeweiligen Objektive anlegen als es die kleinen Skalen anzeigen können. Einen solchen Rechner gibt es übrigens auch für das „Smartphone“: entweder für Android in den kostenlosen „Photo Tools“ enthalten, welche ich hier ausführlich vorstelle: Nützliche Apps für den Fotografen oder für das Iphone. So erspart man sich die Zettelwirtschaft in der Fototasche. Mir persönlich sind letztere aber lieber.

Nachtrag: Mittlerweile habe ich einen sehr ausführlichen Artikel über die sogenannte Hyperfokaldistanz bzw. den Zonenfokus geschrieben.

Sie sehen: Das Verwenden der alten AI-Objektive hat gerade in der Landschaftsfotografie einen Sinn, denn dort hat man Zeit und Muße. Aber auch in Situationen, in denen ein Autofokus kein direktes Ziel zum Fokussieren haben wird, bzw. wenn man blind aus der „Hüfte“ fotografieren muss („Street“ und Nachtaufnahmen), würde sich diese Zonenfokus-Arbeitsweise anbieten. So können Sie durchaus bestimmen, dass alles im Bild von z. B. 2 bis 6 Metern scharf abgebildet werden- bzw. dass die Schärfe nach diesen sechs Metern wieder abfallen soll.

Ich fotografiere seit jeher nach diesem Prinzip, nicht nur mit meiner Großformatkamera. Bei Landschaftsbildern definiere ich am Objektiv eine absolute Schärfentiefe vom Bildanfang bis zum Bildende (Unendlich). So etwas kann ein Autofokus-System nicht. Denn der Autofokus-Mechanismus kann ja niemals wissen, dass zum Beispiel drei diagonal angeordnete Kegel sowie der Vordergrund scharf abgebildet- die Unschärfe aber direkt nach dem letzten Kegel beginnen soll. Ein 3-Kegel-Motivprogramm besitzt – meines Wissens nach – keine Digitalkamera.

Alte Nikon AI / AIS Objektive kaufen

Ich schätze, der beste Marktplatz für die alten „analogen“ AI bzw. AIS Objektive von Nikon ist Ebay. Ich habe alle meine Objektive bei Ebay gekauft und bin damit bisher immer gut gefahren. Achten Sie darauf, dass Sie versehentlich nicht ein „Non-AI-Objektiv“ kaufen. Diese erkennt man an der fehlenden „Mini-Blendenskala“ bzw. am fehlenden Blendenmitnehmer am Bajonett (damit meine ich nicht die Hasenohren)..

Benutzen Sie an Ihrer Nikon DSLR ebenfalls die alten Ai / Ai-S-Nikkore?

Artikeldatum: 28.12.2014 / letzte Änderung: 25. Februar 2017

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