Auf diese Idee gekommen bin ich, als ich Fotos gesehen hatte, für die in die Holga oder Diana Kamera statt den (hierfür eigentlich vorgesehenen) Rollfilm einfach normaler 35 mm Film eingelegt wurde. So etwas musste ich natürlich auch ausprobieren – doch so richtig vom Hocker reißen möchte mich dies nun auch wieder nicht. Ausgeführt hatte ich hierzu meine Lomo Lubitel.
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Wozu sollte man eigentlich bei einer Kamera, welche für das größere Mittelformat vorgesehen ist, das winzige Kleinbild benutzen? Geht man hier nicht wieder einen Schritt zurück und verschenkt wertvolles Format? Vom Prinzip her macht es wirklich keinen Sinn: Alles, was hier abgebildet wird, würde sich natürlich auch auf einem Rollfilm wiederfinden. Dass man durch die Verwendung vom schmalen Kleinbild in einer solchen Kamera eine Art leichtes Panorama erhält, stimmt zwar (gerade bei 6×9 Kameras). Ein Panoramafoto, bei welchem aber lediglich oben und unten etwas “abgeschnitten” wurde, ist ein solches doch wirklich nicht. Für so etwas sollte man sich besser eine Panoramakamera wie die Horizon oder die neue Lomo Spinner besorgen. Zumal solche Kameras ein entsprechendes Weitwinkel besitzen, wo das (normale) Objektiv der Mittelformatkamera für einen Kleinbildfilm sogar schon ein leichtes Tele darstellt (eben ~80mm). Zu erwähnen ist auch, dass dieser schmale 35er Film in der ja hier viel zu breiten Filmführung nicht plan aufliegen kann bzw. plan aufgedrückt werden kann. Richtige Schärfe sollte man also nicht erwarten.
Möchte man aber bewusst mit einem solchen Teleobjektiv (nichts weiter ist ja die “Normalbrennweite” einer Mittelformatkamera für einen Kleinbildfilm) fotografieren und dabei ein weitaus breiteres (oder höheres) Format nutzen, welches keine Kleinbildkamera bietet, sieht die Sache natürlich schon wieder etwas anders aus – besonders natürlich unter dem Motto “Lomograpie”. Denn nicht zu verschweigen ist natürlich, dass auf einen solchen 135er Film weitaus mehr Bilder passen als die maximal 12 eines Rollfilmes (die langen 220er Filme einmal ausgenommen). Außerdem wird man Rollfilme mehr und mehr nur noch über das Internet beziehen können – Kleinbild gibt es daher billig in jedem Rossmann oder DM um die Ecke (z.B. natürlich).
Das sicherlich überzeugendste Argument wird dabei aber ein ganz anderes sein: Das Belichten der Ränder bzw. der Perforation (die Löcher) des Filmes:

Aber mit diesen Löchern auf dem Foto verhält es sich sicherlich bald wie mit jenen Schuhen Anfang der 90er, die beim Auftreten zu blinken begonnen hatten: es ist eine Modeerscheinung, die kaum wirklich Sinn macht. Möchte man es aber selbst einmal ausprobieren – und sei es lediglich im Sinne der “Lomographie” – so ist ein Kleinbildfilm zwar schnell gekauft. Der muss aber erst einmal halbwegs richtig in die Kamera eingelegt werden.
Bei Kameras mit Wechselmagazinen wird dies sicherlich kaum funktionieren – bei den vielen einfachen Mittelformat-Sucherkameras wie z.B. die Adox Golf, die Agfa Click oder die Holga & Diana umso besser: Die Filmpatrone wird einfach dort eingelegt, wo normalerweise der Rollfilm hingehört, dafür aber oben und unten mit etwas weichem Material (Küchenschwamm) fixiert. Wichtig hierbei ist, dass das eine Ende der herausragenden Spule nicht blockiert wird, da dieses sich ja mitdrehen muss. Besser ist es also, man fixiert die Patrone so, dass sie durch die Rückwand der Kamera festgedrückt wird, also nur mit einem Polster oben. Der Anfang des Filmes wird dann in die gegenüberliegende Spule geschoben und umgeknickt. Klappe zu und ein paar mal drehen. Halt! Vorher muss noch unbedingt das hintere Sichtfenster abgeklebt werden. Schließlich möchte man hier ja keinen Lichteinfall von hinten auf den Film haben, wo doch dieser – im Gegensatz zum Rollfilm – kein Schutzpapier besitzt.

Nun steht man allerdings natürlich vor einem Problem: Wie weit muss ich den Knopf drehen bis zum nächsten Bild? Bei einigen Kameras rastet der Drehknopf beim Drehen leicht ein, da heißt es, Klicks zählen: Bei der Holga sind es z.B. ungefähr 34, bei der Diana würde ich es hingegen mit ca. 70 Klicks versuchen, bei der Lomo Lubitel (die ich verwendet habe) sind es 50 dieser Clicks. Gibt es keine Rasterung oder ist man sich nicht sicher, so muss ein Testfilm her, auf welchem man sich mit einem Filzstift eine Markierung macht (Strich) und bei geöffneter Rückwand beobachtet, wie weit man drehen muss, bis dieser Strich über das gesamte Bild (und noch ein kleines Stück weiter) gewandert ist. Bei der Lubitel sind es z.B. ca. eineinhalb Umdrehungen. Eine genaue Tabelle (mit Berücksichtigung dass sich die Klick-Anzahl ja mit der Filmlänge bzw. des Aufroll-Durchmessers reduziert) findet man hier.

Hierzu gibt es nicht viel zu sagen: der Kleinbildfilm wird natürlich genau so belichtet wie sein größerer Bruder (bei gleicher ISO-Zahl, versteht sich). Es ist das gleiche Filmmaterial. Mann muss sich ja einfach nur vorstellen, dass hier oben und unten (oder rechts/links) lediglich etwas abgeschnitten ist.
Jetzt wird es allerdings komplizierter. Man kann hier nicht einfach zum Film entnehmen die Rückwand öffnen! Der Film muss ja vorher wieder zurück in die lichtdichte Patrone. Eine kleine Kurbel, wie sie bei Kleinbildkameras anzutreffen ist, gibt es hier nicht (da dieser Schritt beim Rollfilm entfällt). Also benötigt man hierfür einen absolut dunklen Raum, in welchem man den Film wieder per Hand zurück in die Patrone spult. Alternativ gibt es zu diesem Zweck einen sogenannten “Wechselsack” zu kaufen. Eine weitere Alternative wäre … der Kleiderschrank. Die Neuauflage meiner Lubitel, die Lubitel +, besitzt mittlerweile so eine Kurbel von Werk aus. Ich habe aber die alte 166 B-Version und musste also in der Abstellkammer verschwinden.

Was bleibt noch zu sagen? Wie bereits erwähnt, benutze ich den 35er Film am liebsten nur in meinen Kleinbildkameras und lege in meine Mittelformatkameras weiterhin nur den entsprechenden 120er Rollfilm ein. Immerhin erhöht sich die nutzbare Filmfläche des Kleinbildfilmes ein ganzes Stück, benutzt man ihn in einer 6x6-Kamera (was die Ränder anbelangt, meine ich). Die Perforation wirkt dann aber irgendwann wieder störend. So ein kleiner Test war es mir aber wert, wo ich doch sowieso immer alles ausprobiere, was irgendwie möglich ist. Die Beispielbilder habe ich, wie bereits erwähnt, mit meiner Lomo Lubitel auf dem schönen Ferrania Solaris Film gemacht und ich hoffe, sie gefallen einigermaßen - trotz (oder gerade wegen?) des teilweisen Lichteinfalls. So etwas kann hier durchaus passieren, da so eine einfache Mittelformatkamera nicht unbedingt besonders lichtdicht sein muss, weil der eigentliche 120 Film ja von Haus aus ein durchgehendes Schutzpapier auf der Rückseite besitzt - der Kleinbildfilm nicht.
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mue
Wenn ich einen 35mm KB-Film in die untere Rollenhalterung der Lubitel einsetze, schliesst die Klappe doch gar nicht, weil der Schacht für die 120er mit kleinerem Rollendurchmesser gemacht ist. Also gleich in der Dunkelheit (Wechselsack) auf 120er umspulen?
admin
Hallo! Doch, das funktioniert eigentlich gut – zumindest bei all meinen Mittelformatkameras. Der Durchmesser der Kleinbildpatrone ist lediglich nur ca. 1 mm höher (wenn überhaupt) als der eines Rollfilmes.
Sollte ein Kleinbildfilm nicht in die entsprechende Kammer einer Mittelformatkamera für Rollfilm passen, würde man aber in der Tat über deine Lösung – Aufspulen (in einem dunklen Raum oder per Wechselsack) des Kleinbildfilmes auf den Kern eines Rollfilmes – zum Ziel kommen. Bei mir ging es mit der Lubitel (bei der ich die Sache mit dem Kleinbildfilm ausprobiere) gut ohne Umspulen.
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... Tom über alles, was ihn fotografisch interessiert und mehr als drei Sätze ausmacht. Besonders interessiert ihn das Basteln, selber bauen und modifizieren von alten Kameras. Für ein tägliches Blog fehlt ihm die Zeit - und (zugegeben) auch die Geduld. Diese Seiten werden also nicht jeden Tag aktualisiert.
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