analoge Bildbearbeitung Lith-Prints und Selentoner

Ein Lith-Entwickler macht S/W-Bilder (unter anderem) farbig. Oftmals kann es aber schon wieder zu viel des Guten sein und man erhält Abzüge, die in ihrer Farbigkeit einfach zu extrem sind (und irgendwie nach “Zirkus” aussehen). Abhilfe schafft hier ein kurzes Bad in Selen-Toner.

zwei Lithprints mit und ohne Selentoner
ein Vergleich: links ein Bild entwickelt in Moerschs “Easylith” auf Fomatone PE-Papier; rechts das selbe Bild nach Tonen in Adox-Selentoner

Ich arbeite immer sehr gerne mit sogenanntem “Lithentwickler”. Dieser verhält sich – je nach Verdünnung und Belichtung – völlig anders, als ein konventioneller S/W-Positiventwickler: der Kontrast und das Korn des Bildes wird enorm verstärkt, er arbeitet absolut chaotisch und reagiert sehr sensibel auf die jeweilige Schalenbewegung beim Entwickeln, er verleiht dem S/W-Bild Farbe. Um genau diese Färbung soll es in diesem kleinen Artikel gehen, denn (zumindest) mir ist der erzielte Farbton oftmals wieder einfach zu extrem und er wirkt schnell nach “Effekthascherei”.

Inwiefern das Bild nun an Farbe gewinnt, hängt natürlich sehr vom verwendeten Papier, von der Lichtmenge, die auf das Papier gelangt, und vom Lithentwickler (bzw. von dessen Verdünnung) ab. Bei dem Bildbeispiel links habe ich die beliebte Kombination Moersch Easylith und Foma Fomatone PE verwendet und den Entwickler im Standardverhältnis von 20ml (Teil A) + 20ml (Teil B) + 1000ml (Wasser) angesetzt. Die Belichtungszeit betrug genau das Vierfache derer, welche für eine Entwicklung in einem konventionellen Entwickler notwendig gewesen wäre (ich habe dazu einfach die Blende des Vergrößerungsobjektivs um zwei Stufen geöffnet und dabei die Standardzeit beibehalten).

Als Ergebnis erhält man in dieser Kombination dann ein Bild in einem extremen Orangeton. Für meinen Geschmack ist dieser allerdings zu stark ausgeprägt. Nach ausreichender Fixage und Schlusswässerung folgt dann Schritt 2 – das Bad im Selentoner:

Ich verwende dazu Adox Selentoner und zwar angesetzt im Verhältnis 1+19. Das feuchte Papier wird ca. 1 1/2 Minuten im Selen-Toner bewegt und anschließend sofort wieder gewässert.

Das Ergebnis: der starke Orange-Ton ist verschwunden – die hellen Bildteile erscheinen nun in einem cremigen Weiß, – die dunklen in einem tiefen Schokoladenbraun (Schwarze Herrenschokolade, würde ich mal sagen). Natürlich lässt sich der Prozess auch hier ganz individuell mittels Verdünnung und Zeit auf das gewünschte Bildergebnis anwenden.

Noch eine Eigenschaft von Selentoner hat gegriffen: die Maximalschwärzen des Handabzugs wurden verstärkt (was zugegebenermaßen bei diesem Scann kaum zu erkennen ist).

Abschließend noch ein paar interessante Links zum Thema Lithentwicklung im Allgemeinen:

Wissenswertes und Bildbeispiele für Anfänger

Die Seite von Wolfgang Moersch mit vielen, vielen Bildbeispielen

Lith Print auf Baryt Papier in Selentoner getont
Auch dieses Foto entstand in einem Litentwickler (Moersch Easy Lith), allerdings auf Adox-Nuance Barytpapier. Der Unterschied zum Fomatone ist schon sehr auffällig. Getont wurde anschließend ebenfalls im Selentoner.

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Diesen Artikel verlinken: www.fotografische.de/fotolabor/lith-selentoner

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