Das Trocknen von kartonstarken Baryt-Handabzügen ist eine etwas delikate Angelegenheit: Es ist nur schwer möglich, wirklich plane Abzüge nach dem letzten Verarbeitungsschritt – der Trocknung – zu erhalten. Ich setze auf die Klebemethode mittels so genanntem Nassklebeband. Wie hierbei vorzugehen ist, möchte ich an dieser Stelle demonstrieren – nachdem ich mich kurz noch zwei anderen bekannten Trocken-Methoden zugewendet habe. Am Ende des Artikels gehe ich noch auf allgemeine Problematiken bei der Verarbeitung von Barytpapier ein und es gibt noch ein paar Links zum Thema.
Inhaltsverzeichnis
Eine S/W-Fotografie auf (planem) kartonstarken Baryt-Papier (englisch auch: Fibre Base) hat schon eine fantastische Anmut. Stellt man zwei gleiche Abzüge – einmal auf Baryt, einmal auf PE-Papier – gegenüber, wird man sich dem qualitativen Unterschied schnell bewusst. Das labberige PE-Papier wirkt irgendwie “billig”, sieht eben irgendwie nach “Plastik” aus. Bei einem gut gemachten Baryt-Handabzug merkt man schnell, dass man hier etwas “Wertiges” in den Händen hält. In einem Bilderrahmen hinter Glas sieht man den Unterschied allerdings weniger. Aber was bringt mir es, vergrößere ich meine Fotos auf dem tollen Barytpapier, wenn der Abzug am Ende nur wellig und völlig verzogen ist? Im Gegensatz zum PE-Papier kann man Baryt nicht einfach auf eine Leine zum Trocknen hängen, es würde sich hoffnungslos verziehen. Die Anfertigung eines guten Baryt-Abzuges bedarf einen höheren Aufwand als wie es bei PE/RC-Papier der Fall ist. Hier muss unter anderem aufwendiger getrocknet werden.
Nun bin ich wirklich nicht versiert in Materialkunde. Hintergrund für das Verziehen, für die Kräfte, die beim Trocknen des Byarytpapiers auftreten, sind die verschiedenen Schichten, aus welchen das Papier besteht: Sie ziehen sich unterschiedlich stark und schnell zusammen (nachdem sie durch die lange Wässerung aufgeweicht wurden). Dadurch kommt es zu Wölbungen und Verzerrungen, welche trocken nur noch eingeschränkt zu beheben sind. Es entstehen grobe Wellen. Man kann die Blätter in einem feuchteren Raum versuchen zu pressen. Ob dadurch das Papier wirklich plan wird, wage ich aber zu bezweifeln. Eine gute Trockenmethode muss also her.
Eine einfache Methode Baryt zu trocknen ist die Möglichkeit, das Papier mit der Schichtseite auf eine Unterlage zu legen. Diese Unterlage besteht im besten Fall aus gespanntem (Fliegen-) Gitter. Es funktioniert aber auch mit einem Leinenhandtuch.
Der Gedanke dahinter: Durch das Eigengewicht des Papiers, soll das (nach oben) Wölben verhindert werden. Dies funktioniert nur im Ansatz – das Barytpapier wölbt und verzieht sich hierbei natürlich auch, aber immerhin weniger, als würde man es aufhängen. Nach dem Trocknen kann man eventuelle Fussel von der Trockenunterlage gut mit einem Brillenputztuch abreiben.
Nun nimmt man das trockene Papier, befeuchtet ganz leicht dessen Rückseite und zieht es (die Rückseite) mehrmals in mehreren Richtungen über eine nicht allzu scharfe (Tisch-) Kante. Hierdurch werden die gröbsten Verformungen beseitigt. Jetzt muss man noch ein gutes Stück vom Rand des Papiers abschneiden, denn hier sitzen die kleinen “Wellen”, welche durch das Ziehen über die Tischkante nicht weg zu bekommen sind. So erhält man doch schon recht ansehnliche Baryt-Abzüge.
Das Trocknen via Gitter ist durch den Fotografen und Buchautor Ansel Adams sehr bekannt geworden und ich habe mir sagen lassen, dass in den USA auch Trockenschränke benutzt werden, bei denen das Papier auf Gitter in äußerst niedrige Fächer gelegt wird, wodurch sie sich nach oben hin kaum wölben können. So etwas könnte funktionieren. Ebenfalls von Adams erwähnt ist das Trocknen des Papiers gepresst in Trockenflies bzw. in einem Trockenbuch. Hier werden die nassen Baryt-Abzüge zwischen die Seiten des Trockenbuches gelegt und unter Druck getrocknet. Diese Seite bestehen aus Flies. Statt so einem Trockenbuch könnte man sich sicherlich auch anderweitig entsprechendes Flies-Material besorgen. Aber diese Trockenmethode habe ich noch nicht ausprobiert und gehe daher hierbei nicht näher darauf ein.
Alle meine Papiere bis zum Format 13×18 cm trockne ich problemlos in der Trockenpresse mit Trockentuch. Bei diesen kleineren Papierformaten konnte ich kaum Probleme feststellen, was das Wellen des Papiers anbelangt. Bei größeren Formaten kommt es hierbei allerdings immer wieder zu welligen Rändern, welche man dann abschneiden muss.
Ich benutze einen Rollenquetscher zum Aufquetschen des Papiers auf die Unterlage. Hierbei wird ein großer Teil des Wassers aus der Papierschicht gequetscht. Viele Zeitgenossen empfehlen, das Papier in der Presse nicht vollständig trocknen zu lassen und es etwas früher aus der Trockenpresse zu nehmen. Dies soll ebenfalls vor Verformungen schützen. Ferner wird empfohlen, die Temperatur der Presse gering zu halten bzw., wenn kein Thermostat an der Presse vorhanden ist, die Trockenpresse zwischendurch öfter vom Stromnetz zu trennen bzw. auszuschalten, damit sie sich jeweils immer etwas abkühlen kann. Ich habe Papier in solchen Trockenpressen auch schon völlig kalt über Nacht getrocknet – Ich konnte keine Unterschiede zur Heißtrocknung feststellen.
Eine weitere Problematik beim Trocknen mit der Trockenpresse ist der Tuchabdruck. Baryt-Papier mit matter Oberfläche zeigt sich hiervon scheinbar unberührt. Bei Barytpapier mit glänzender Oberfläche aber tritt oft das Problem auf, dass beim Trocknen mit der Schichtseite zum Tuch das Muster dieses Trockentuches praktisch in die weiche, aufgequollende Papieroberfläche eingepresst wird. Dies wird besonders gut in den sehr dunklen Bildpartien sichtbar und sieht furchtbar aus. Auch wirken durch das Tuch die Schwärzen des (meines) Papiers etwas blasser.
Man kann nun folgendes versuchen: Nach dem Wässern trocknet man zuerst einmal zwischen. Man trocknet das Papier insgesamt also zwei mal hintereinander. Am schonensten wird dies sicherlich so sein, dass man das Papier (zuerst) mit der Schichtseite auf einem möglichst fusselfreien Handtuch trocknet (und nicht in der Presse). Nun weicht man das Papier erneut ein – aber wesentlich kürzer als es bei der Schlusswässerung der Fall war. In dieser kurzen Zeit (ca. 3 Minuten) kann die Oberfläche des Papiers nicht so gut quellen. Anschließend trocknet man das Papier in der Presse (heiß oder kalt über Nacht) und kann darauf hoffen, dass sich nun kein Tuchabdruck zeigen wird. Die Einweichzeit von 3 Minuten gilt als Anhaltswert. Sie muss eventuell – je nach Papiersorte – verlängert oder verkürzt werden. Eventuell verhilft die “Zweimal-Trocken-Methode” auch zu weniger welligen Rändern. Mir kommt es zumindest so vor.
Das Problem mit dem Tuchabdruck tritt natürlich nicht auf, wenn man Glanz-Baryt wirklich als Hochglanz mittels Hochglanzfolie trocknen möchte. Hier zeigt die Schichtseite ja zur Hochglanzfläche und nicht zum Tuch. Was das Hochglanztrocknen anbelangt – hierfür wäre ein gesonderter Artikel notwendig und in diesem soll darauf auch nicht näher eingegangen werden. Mir persönlich gefällt die Oberfläche von Glanz-Papier am besten, welches eben nicht auf Hochglanz getrocknet wurde.
Trocknen von Barytpapier mittels Nassklebeband auf einer Glasplatte (drei fertige Bilder wurden bereits herausgetrennt)Nun möchte ich doch zu meiner bevorzugten Trockenmethode kommen, mit welcher ich meine Baryt-Abzüge nahezu plan bekomme und auch keinerlei Abdrücke von einem Tuch auf der Papieroberfläche erhalte. Man benötigt hierzu “Nassklebeband“, ein Klebeband aus stärkerem, möglichst feuchtigkeitsdurchlässigem Papier, welches auf einer Seite eine Klebefläche besitzt, welche nur bei Feuchtigkeit klebt – wie beim klassischen Briefumschlag also. Das Klebeband ist auch unter dem Namen “Aquarellklebeband” im Kunsthandel erhältlich. Außerdem eignet sich wahrscheinlich auch sogenanntes Furnierklebeband, welches z.B. in Schreinereien benötigt wird. Dieses Klebeband heißt auch Fugenleimpapier. Mit diesen Begriffen sollte man also eine eventuelle Produktsuche via Internet beginnen. Ich habe hierbei auch schon Pech gehabt und Nassklebeband erworben, welches für die Baryt-Trocknung eine zu schwache Klebeleistung aufwies. Hier muss man leider die Katze im Sack kaufen. Ich habe sehr brauchbares, weißes Klebeband von einem Verkäufer über Ebay bezogen. 200 Meter kosten ca. 5 Euro. Die Breite beträgt 5 cm, was für das Format 30×40 mehr als ausreichend ist (Je größer das Papierformat, desto höher die Zugkräfte, desto mehr Rand muss abgeklebt werden). Aquarellklebeband gibt es in den Farben weiß und braun. Ich bevorzuge die weiße Variante, denn ich möchte mein Papier nicht beschneiden. Ich belasse das Klebeband später einfach als Schutzrand am Papier, was – ob der weißen Farbe – optisch nicht störend wirkt und bei einer evtl. Rahmung hinter einem Passepartout verschwindet.
Ferner benötigt man natürlich eine glatte Unterlage. Wie auf dem Bild zu sehen, benutze ich eine starke Glasscheibe. Die Unterlage muss tatsächlich aus stärkerem Material sein, welches sich nicht so schnell verzieht. Beim Trocknen des Baryt-Papiers entstehen höhere Zugkräfte, die nicht zu unterschätzen sind. Die Unterlage muss natürlich so beschaffen sein, dass das Klebeband gut darauf haftet. Bei Bildern des Formates 24×30 benutze ich die Breite von 1,5 cm Klebeband für das Bild, mindestens genau so viel für die Unterlage. Das Klebeband soll also mindestens 3 cm breit sein. Wahrscheinlich kann man aber auch weniger Klebeband-Breite verwenden. Statt einer Platte aus Glas würde sich natürlich auch eine aus z.B. Holz eignen. Beachten Sie aber, dass wir die Bilder später mit einem Cutter herausschneiden müssen. Daher sollte die Unterlage resistent gegen Kratzer und Schnitte sein (bzw. schön glatt bleiben).
Als Werkzeug ist ein Rollenquetscher (gibt es z.B. bei Foto-Brenner) sehr zu empfehlen. Mit einem solchen Hilfsmittel wird ein Großteil des Wassers aus dem Papierträger des Fotos herausgequetscht. Außerdem quetscht man Wasser und Luft aus der Unterseite des Nassklebebandes. Dies wird ein wichtiger Schritt bei der Nassklebeband-Methode sein. Wir benötigen nun noch eine Schere, einen sauberen Lappen und eine kleine Schüssel mit Wasser. Zum späteren Heraustrennen der Bilder wird ein gewöhnliches Cutter-Messer mit langer, herausfahrbarer Klinge benötigt.
Man kann das Baryt-Papier auch von beiden Seiten auf die Unterlage kleben um mehr Fläche zu erreichen. Hierfür muss man sie, um das Papier auf der anderen Seite zu schonen, entweder auf ein sauberes Tuch oder auf zwei umgedrehte Laborschalen oder dergleichen legen (siehe Bild). Zum späteren Heraustrennen wird die Glasplatte dann ebenso aufgelegt.Mittels der nun folgend erläuterten Schritte gelangt man zu einem nahezu planen Baryt-Abzug mit schöner, fein genarbt-schimmernden luftgetrockneter Oberfläche (sofern man Glanz-Baryt verwendet). Es bedarf etwas Arbeit, aber mir ist keine andere Trockenmethode als das Aufkleben bekannt, welche bessere Ergebnisse liefert. Es empfiehlt sich, alles einmal komplett durchzulesen, bevor man mit dem Aufkleben der Bilder beginnt.
Das Material wird vorbereitet: die Unterlage wird feucht gesäubert – es dürfen sich keine Klebereste aus einer vorangegangenen Anwendung darauf befinden. Im schlimmsten Fall bleibt sonst nämlich das Papier daran kleben.
Das Nassklebeband wird mit der Schere zurecht geschnitten. Für ein Foto benötigt man logischerweise 4 Streifen Klebeband, welche jeweils ein Stück länger sind als die entsprechenden Bildseiten.
Wir stellen die Schüssel (bzw. eine Laborschale) mit Wasser neben die Unterlage, welche nun auf einem Tisch vor uns liegt. Das Wasser benötigen wir, um das Klebeband mit einem Lappen (oder Schwamm) anzufeuchten.
Wir nehmen nun unsere Fotografie aus dem Wässerungsbecken, halten sie etwas hoch, freuen uns nochmal über den gelungenen Abzug und lassen das Wasser an einer Ecke etwas abtropfen. Nun legen wir sie schräg um 45° gedreht mit einer Ecke nach unten zeigend auf die Unterlage und streichen sie mit feuchten Händen plan auf die Fläche. Die etwas gedrehte Lage bewirkt später beim Aufstellen der Trockenunterlage, dass das Wasser besser abläuft. Man kann die Bilder auch “gerade” aufkleben – dadurch passen ja auch mehr auf eine entsprechende Fläche. Ich hatte hierbei ab und zu aber Probleme mit sich lösendem Klebeband, da sich hier Wasser angesammelt zu haben scheint.
Jetzt kommt der Rollenquetscher zum Einsatz: von der Mitte des Bildes ausgehend quetschen wir einen großen Teil des Wassers zu allen Seiten des Bildes aus dessen Papierträger.
Nun werden die bereits zurecht geschnittenen Streifen Nassklebeband aufgeklebt. Wie schon erwähnt, decke ich bei Bildern der Maße 24×30 1,5 cm Rand mit dem Klebeband ab. Bei größeren Formaten sollte es evtl. mehr sein. Mit der Breite kann experimentiert werden – eventuell langt auch eine geringer breite Klebefläche. Ein Vorteil des weißen Nassklebebandes ist, dass es zu einem gewissen Teil transparent ist und man somit hindurch schauen kann bzw., dass man bei diesem leicht verhindern kann, dass es schief aufgeklebt wird, da man die Papierkante der Fotografie sieht. Das Klebeband wird aufgelegt und mit dem Zeigefinger glatt gestrichen. Dies handhabt man ebenso an den drei weiteren Bildseiten.
Nun benötigt das Klebeband etwas mehr Wasser! Wir lassen den Lappen (oder Schwamm) gut mit Wasser voll saugen, er darf aber nicht tropfen! Nun fahren wir mit dem Lappen das Klebeband ab, dass das Nassklebeband gut anliegt und angefeuchtet ist. Dieser Schritt ist wichtig. Es bedarf einer bestimmten Menge Wasser, damit das Nassklebeband gut klebt. Es darf aber auch nicht zu viel Wasser sein, denn dann läuft dieses mit dem Kleber zusammen hinter das Bild und es wird auf der Unterlage festkleben!
Jetzt müssen wir uns nochmals den Bildecken zuwenden. Hier klebt Klebeband auf Klebeband, was zum Halt etwas “extra-Wasser” benötigt. Also pressen wir an diesen vier Stellen ausnahmsweise soviel Wasser aus dem Lappen, dass dieser leicht tropft. Beim nachlassen des Druckes wird überschüssiges Wasser durch die Schwammwirkung zurück gesogen.
Das Klebeband wird nun mit dem Rollenquetscher behandelt. Es befinden sich unter dem Nassklebeband Luftblasen und es befindet sich ebenso noch überschüssiges Wasser darunter. Beides muss da raus.
Wir rollen mit dem Rollenquetscher als erstes entlang der Bildkanten auf dem Klebeband und geben Acht, damit wir mit dem Quetscher nicht weiter auf das eigentliche Bild gelangen. So glätten wir die Flächen Klebeband-Papier und da der Rollenquetscher breit genug ist auch die Bereiche Klebeband-Unterlage. Es ist darauf zu achten, dass das Nassklebeband hierbei nicht verrutscht. Der Rollenquetscher sollte evtl. zwischendurch öfters von der ausgetretenen Leim-Flüssigkeit befreit werden (so etwas darf nicht auf das Bild selbst gelangen). Zuletzt rollen wir sicherheitshalber extra noch einmal jeweils von Innen nach Außen über alle vier Kanten, da hier ja Klebeband auf Klebeband liegt und die Klebebverbindung an diesen Stellen, wie bereits erwähnt, nicht ganz so stark ist. Eventuell muss hier an den Kanten noch jeweils ein weiteres Mal der Lappen mit dem Wasser aufgetupft werden. Für so etwas muss man ein Gefühl entwickeln. Wenn man später aber ohnehin die gesamte Klebeband-Fläche des Papiers abschneiden wird, ist es nicht so schlimm, wenn sich an manchen Stellen das Klebeband beim Trocknen leicht lösen wird.
Wir schauen uns alle Klebeverbindungen genau an und fahren mit dem Zeigefinger darüber. Das sieht ja gut aus: alles ist nun glatt, es lassen sich keine Luftbläschen ausmachen. Das Klebeband ist durchgängig gut angefeuchtet, ohne aber, dass es auf der Unterlage bzw. auf dem Bild “schwimmt”.
Nun stellen wir die Unterlage mit den Fotos auf und lehnen sie etwas schräg an eine Wand. Ich trockne die Bilder im stehen und nicht im liegen, damit innerhalb der Trocknungszeit kaum Staub auf die Bilder gelangen kann. Ferner habe ich die Bilder, wie anfangs angesprochen, diagonal aufgeklebt, damit beim Stehen genau eine Ecke nach unten zeigt und sich so kein Wasser an einer (der unteren) Bildkante sammelt und die Klebeverbindung negativ beeinflusst, sondern gut an der Bildecke ablaufen kann. So handhabt man es ja auch, wenn man PE-Papier an der Leine trocknet.
Dies war der letzte Schritt. Die Trockenunterlage lehnt nun mit den aufgeklebten Baryt-Abzügen an einer Wand in einem möglichst staubfreien Raum. Das Trocknen wird geschätzt mindestens 5 Stunden dauern. Man kann auch versuchen, die Trocknungszeit erheblich mit einem Föhn zu verkürzen.
Nachdem die Fotografien getrocknet sind, müssen sie natürlich wieder herausgeschnitten werden. Wir legen die Unterlage auf einen Tisch und fahren nun mit einem Cutter-Messer möglichst nah am Bildrand entlang bzw. schneiden das Klebeband an diesen Stellen (Klebeband-Unterlage – nicht am Bild selbst) ein. Nun müsste es irgendwann “Pling” machen. Das Papier steht unter hohem Druck, welcher durch die gelockerte Verbindung entweicht. Das Klebeband reißt an einer Stelle / an einer Seite ein. Es kann übrigens auch schon während des Trocknens eingerissen sein (hier herrschen ja gewisse Zugkräfte). In den meisten Fällen ist das vorzeitige Einreißen immer gut gegangen bzw. hat das spätere Herausschneiden erleichtert.
Vorsichtig gehen wir nun mit der ausgefahrenen, flachen Klinge des Cutters unter den Bildkanten entlang und lösen die Fotografie vollständig von der Klebe-Unterlage. In den meisten Fällen läuft es bei mir so ab, dass ich das Klebeband an der unteren Bildkante so vom Bild trenne, dass ich mit dem Cutter darunter fahren kann und zwar so, dass ich mit der Klinge auch noch unter die beiden angrenzenden Ecken fahre. Nun hebe ich das Papier an und reiße das “angeritzte” Klebeband an den langen Seiten rechts und links praktisch ein bis die Fotografie zuletzt nur noch an der obersten Seite verklebt ist und ich diese durch Hochhalten und abschneiden des Bildes gut von der Glasplatte trennen kann. Wir halten nun ein sehr ansehnliches Baryt-Fotopapier in den Händen, welches genau so plan ist, als hätte man es frisch aus der Verpackung geholt. Keine Wellen sind vorhanden, nichts ist verzogen. Die Oberfläche weist keinerlei Abdrücke von einem (Trockenpresse-) Tuch auf.
Das Klebeband steht noch etwas über den Bildkanten über. Diese Bildkanten müssen nun ca. 1-2 Millimeter beschnitten werden. Man kann natürlich auch den gesamten Klebeband-Rand abschneiden. Das ist Geschmackssache. Ich persönlich behalte ihn mir als “Schutzrand” aber auch als Indiz einer Handarbeit. Wird eine solche Fotografie gerahmt, verschwindet dieser Rand ja ohnehin hinter einem Passepartout. Wir sind fertig. Die auf der Glasplatte bzw. Unterlage klebenden Reste des Nassklebebandes werden mit Wasser eingeweicht. Nach ca. fünf Minuten lassen sie sich entfernen. Auch Reste vom Kleber werden natürlich entfernt.
Hinweis: Bei einer frühen Version dieser Anleitung wurde noch empfohlen, während des Herausquetschens des Wassers aus dem Papier zur Schonung desselben ein Handtuch zwischen zu legen. Es hat sich aber ergeben, dass dies nicht nötig ist. Demzufolge musste ich auch die Textpassagen ändern, in denen es um die ungefähre Wassermenge beim Betupfen des Klebebandes ging: Nun wird wesentlich weniger Wasser benötigt, da das (saugende) Handtuch entfällt.
Ebenfalls musste ich leider die URL zu einem Ebay-Shop entfernen, wo gutes Klebeband bezogen werden konnte, da das Verkäufer-Konto offensichtlich nicht mehr existiert.
Abschließend noch ein paar Hinweise zur Trocknung und zu Barytpapier im Allgemeinen.
Die richtige Menge an Wasser, welche auf das Nassklebeband getupft wird, ist wichtig für ein gutes Gelingen. Ist es zu wenig Wasser, welches aufgetragen wird, wird zu wenig Kleber aktiviert. Wird zu viel Wasser auf das Klebeband getupft, läuft der Klebstoff heraus. Er läuft im schlimmsten Fall hinter das Bild und fixiert es so auf der Unterlage. Kleinere solcher Stellen kommen nicht selten vor und lassen sich leicht mit der Cutter-Klinge lösen. Klebt das Barytpapier aber mit der Unterseite großflächig auf der Unterlage, hilft nur ein Einweichen von Papier und Unterlage, damit man das Foto wieder abziehen kann. Man entfernt dann auch das Klebeband vom Bild und klebt es einfach erneut auf.
Hat man keinen Rollenquetscher, so kann man sich notfalls auch mit einer glatten, runden Glasflasche behelfen (die man rollt). Für das Abquetschen des Nassklebebandes sollte man dann eine eher schmale Rolle nehmen. Ich habe mir hierfür einen recht kleinen Rollenquetscher via Ebay zugelegt.
Es gibt noch eine, von der Nassklebeband-Methode abgeleitete, Art, Baryt plan zu trocknen: Man nimmt hierzu Holzrahmen. Statt das Barytpapier festzukleben, spannt man es einfach fest in zwei Holzrahmen ein und lässt es so trocknen. Durch das Holz gelangt noch Luft an den Rand des Papieres.
Barytpapier muss man nicht zwangsläufig direkt nach der Wässerung dem gedachten Trockenprozess zuführen. Man kann es auch erst einmal mit der Schichtseite einem Tuch zugewandt liegend trocknen und es später erneut einweichen und vernünftig trocknen. Dies bedeutet natürlich auch, dass man ältere, wellige, falsch getrocknete Abzüge jederzeit wieder zu einer planen Lage verhelfen kann. Ich lasse meine Abzüge nicht ewig im Wasser aufweichen, sondern nehme sie nach ausreichender Wässerungszeit aus der Wässerung heraus und trockne sie zuerst provisorisch. Hierzu “pappe” ich die Nassen Bilder an eine aufrecht setehende, glatte Fläche. Solange die Fotos feucht sind, bleiben sie daran kleben. Wenn sie dann zu einem bestimmten Teil getrocknet sind (und herunter zu fallen drohen) lege ich sie hin. Am Ende der “Duka-Sitzung” wende ich mich dem richtigen Trocknen zu und weiche die Fotografien hierfür kurz (für ca. 10 Minuten) wieder ein. Man kann die Fotografien natürlich auch erst am nächsten Tag richtig trocknen. Ein gut gemachtes Positiv ist selten in weniger als zwei Stunden angefertigt. Da sitzt man für eine Hand voll Bilder oft bis spät in die Nacht in der Dunkelkammer. Der ganze Trocknungsprozess kann also auch erst am nächsten Tag stattfinden.
Dies hat mit der Trockenmethode selbst nichts zu tun, wohl aber mit Barytpapier: Die meisten Barytpapiere dunkeln beim Trocknen nach! Das bedeutet, dass man die Probestreifen, welche ungefähr dem gewünschten Bild entsprechen, getrocknet werden müssen, um sie richtig zu beurteilen! Ich benutze hierfür eine kleine Trockenpresse. Feine Strukturen in einem schwarzen Pullover, Zeichnung in entfernten, dunklen Baumwipfeln, Schattendetails unter einem Auto – all solche Bildinformation werden beim Trocknen womöglich verloren gehen, beachtet man den Nachdunkel-Effekt von Barytpapier nicht. Die Fotografie wird “lebloser” wirken. Aber auch die mittleren Töne und die Lichter ziehen beim trocknen nochmal ganz leicht an, so dass der trockene Abzug droht, an Brillanz zu verlieren. Generell sollte ein nasser Abzug ganz leicht zu kontrastreich wirken und die Schatten geringfügig blass. Beim trocknen stellt sich dann erst der endgültige, richtige Bildton ein.
Mittlerweile habe ich zu dem Thema einen gesonderten Beitrag verfasst: Der Dry-Down-Effekt.
Barytpapier (zumindest das, welches ich benutze) quillt beim Wässern (und auch schon beim Entwickeln) zu einem gewissen Teil auf. Daher ist es gut zu wissen, dass Fotografien auf Barytpapier im nassen Zustand minimal unschärfer erscheinen als getrocknete! Ich hatte einmal einen trockenen Probestreifen und der finale Abzug war ganz leicht unschärfer als dieser Probestreifen, so dass ich am Vergrößerer immer neu fokussierte und mehrere neue Abzüge machte. Aber es half nichts – das Bild war im Vergleich zum trockenen Probestreifen immer zu einem gewissen Teil unscharf, dass ich fast verzweifelte. Ich wusste damals noch nicht, dass erst auf getrocknetem Barytpapier das Bild wirklich scharf erscheint.
Ebenso verschwindet beim Trocknen übrigens auch eine Art grüner Farbstich bei vielen Papieren, wird zumindest stark gemindert.
Sollte man einige Stellen im Bild noch ausflecken müssen, so empfiehlt sich die Positiv-Retusche unbedingt noch im aufgeklebten Zustand! Zum einen ist das Fotopapier so noch schön fixiert. Zum anderen aber kann man die Retusche-Farbe bei einem Fehler mit einem feuchten Lappen schnell wieder von der betreffenden Stelle des Fotos wischen und muss sich hierbei keine Gedanken über ein eventuelles Wellen des Papieres machen – es ist ja noch fest eingespannt! Je nach Art der Retusche-Farbe muss nun, bevor man mit dem Ausflecken fortfährt, gewartet werden, bis die Papieroberfläche wieder einigermaßen trocken ist. Ich benutze einfach einen Fön und trockne die angefeuchtete Stelle in Windeseile. Kurz darauf folgt der nächste Ausfleck-Versuch. Das Aufkleben von Barytpapier ist also ideal für eine spätere Retusche! Ich kann nicht gut retuschieren und benötige oft mehrere Anläufe. Ich benutze zum schnellen Trocknen des Bildes (nach einem missglückten Versuch) einfach besagten Föhn und kann dann gleich einen erneuten Retusche-Versuch starten.
Ich weiß nicht, aus welchen Stoffen der Leim am Nassklebeband besteht. Es kann also sein, dass durch diese Stoffe das Barytpapier angegriffen wird und man dann die Ränder doch abschneiden muss. Dies wird sich allerdings erst in vielen Jahren zeigen. Weiß hierzu jemand mehr?
Schon seit längerem im Netz ist die Kolumne von Thomas Wollstein (welche aber nicht mehr fortgeführt wird und mittlerweile auch auf die Seite “fotografie-in-schwarz-weiss.de” ausweichen musste). Wollstein erklärt hier unter anderem die Trocknung von Baryt mittels der Klebemethode – wenn auch nicht so ausführlich wie hier, aber meine Versuche zu diesem Thema fanden, inspiriert durch diese Seiten, überhaupt erst statt. Seine Erfahrungen decken sich nicht immer mit meinen – z.B. was das Hinstellen der Klebe-Unterlage und das Einweichen und erneute Trocknen von Papier anbelangt. Aber es gibt eine ausführliche Bauanleitung zum hier kurz angesprochenen Trockenrahmen aus Holz: Wollsteins Kolumne
Auch auf den Seiten von Phototec gab es ebenfalls eine kurze Anleitung zum Trocknen mittels Klebeband. Mittlerweile ist sie nur noch über das “Webarchive” abzurufen: Nassklebeband-Anleitung von Phototec
Die Anleitung hierfür ist leider auch nur noch über das “Webarchive” abzurufen: Trocknen an einem Rahmen.
Diese Variation der Klebeband-Methode klingt sehr interessant (hat aber weniger mit der bereits erwähnten “Spannrahmen-Methode” zu tun): Es wird das Blatt Papier nicht auf eine flächige Unterlage geklebt, sondern das Barytpapier wird auf einem (Holz-) Rahmen aufgeklebt und zwar – und dies ist das Besondere – sitzt das Klebeband hierbei auf der Rückseite des Papiers! Es wird später also nicht sichtbar sein, man bräuchte das Papier nicht mehr beschneiden.
Nun könnte man natürlich auch einmal versuchen, das Barytpapier mit der Schichtseite auf die Klebeunterlage (ich hatte es mit meiner Glasunterlage versucht) aufzukleben bzw. zu quetschen und die Klebestreifen eben auf der Rückseite anzubringen – Das funktioniert aber nicht, das Papier würde hoffnungslos festkleben (zumindest auf Glas). Ich hatte es ausprobiert. Bei einem Rahmen würde die Sache aber anders aussehen, zumal man das Papier hier auch freischwebend fixieren könne. Ob dies wirklich gut funktioniert? Ich habe es noch nicht erprobt.
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Diesen Artikel verlinken: www.fotografische.de/fotolabor/baryt-trocknen
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Vielen Dank für die ausführliche Anleitung , ich werde das in der nächsten Woche mal ausprobieren. Gibt es noch einen Link zum Bezug des Klebebandes ?
Andreas Jung
Tom
Hallo, ich habe mir mal die aktuellen Ebay-Angebote angesehen. Dort scheint es allerlei brauchbares Material unter “Nassklebeband” zu geben. Ich würde jene Sorten kaufen, die auch für Aquarellpapier angegeben sind.
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