Abwedeln und Nachbelichten sind gängige Techniken im heimischen Fotolabor, welche bei manchen Motiven vielleicht zuweilen recht kompliziert zu bewerkstelligen-, vom Prinzip her aber recht simpel durchzuführen sind. Was dabei aber oft vernachlässigt wird, ist die Möglichkeit, dass man durch die Eigenschaft von Multigrade-Papier (also “Gradationswandelpapier”) auch mit einer ganz anderen Gradation (als mit der für das jeweilige Negativ ursprünglich verwendeten) partiell nachbelichten kann.
Diese Fotografie auf dem wunderschönen “Adox Fine Print Variotone” Barytpapier wurde erst vollständig etwas härter (ca. Gradation 3,5) belichtet, anschließend wurde der gesamte Bereich um die Stühle herum durch Abwedeln sehr weich (Gradation 0,5) nachbelichtet.In diesem kleinen Artikel soll es also speziell um den visuellen Effekt gehen, welcher bei einem S/W-Foto entsteht, welches zusätzlich zu der gewählten Gradation beim ursprünglichen Belichten mit einer weicheren (mittels Abwedeln) nachbelichtet wird.
Ein kleiner Hinweis zu den Begriffen “Abwedeln” & “Nachbelichten” in diesem Artikel: Man kommt dabei vielleicht etwas durcheinander. Aber ich verstehe diese so, dass ich sowohl während des Nachbelichtens abwedele bzw. beim Abwedeln nachbelichte – zumindest, wenn es jeweils um das Bild betreffend partielle Vorgänge geht.
Das Motiv links wurde also zuerst ganz normal mit einer harten Gradation belichtet, welche, zugegeben, schon etwas zu hart gewählt worden ist, wodurch das Gesicht der Person etwas “ausbrennt”.
Anschließend wurde nun also weich nachbelichtet: Am Vergrößerer wurde eine Gradation von lediglich 0,5 gewählt und wiederum belichtet, wobei die Person aber mit einem Kochlöffel abgewedelt / abgehalten wurde. Natürlich habe ich hierfür ein Stück gezackten Karton an einem Daht benutzt und kein Kücheninstrument. Da ich aber kein Foto von diesem, meinem “Abwedel-Werkzeug” vorrätig habe, lässt sich dieses am einfachsten eben als Kochlöffel umschreiben.
Auch bei diesem Bild wurde um das Zentrum herum weich nachbelichtet und somit eine Vignette erzeugt. Hier tritt der Effekt der Vignettierung aber wesentlich betonter auf. Durch die Wahl einer weichen Gradation beim Nachbelichten passt sich eine Vignettierung aber nicht mehr verhältnismäßig dezent in das Motiv ein, wenn man die Zeit zum Nachbelichten weiter verlängert.Faktor 4 klingt ziemlich extrem. Multipliziert man damit aber die Zeit, mit welcher man das Bild hart “vorbelichtet” hat und belichtet mit diesem Ergebnis bzw. mit dem Produkt aus der vorher benutzten Zeit und 4 bei gleicher Blende sehr weich nach, erhält man bei einem gleichmäßig ausgeleuchtetem Negativ ungefähr einen ähnlichen Look wie bei dem oben stehenden Beispielbild – ein kontinuierliches Bewegen des Abwedel-Werkzeugs natürlich vorausgesetzt. Der äußere Bereich hat dann rein technisch viel zu viel Licht abgekommen. Beim Belichten mit einer weichen Gradation entstehen aber noch lange nicht solche Schwärzen wie bei einer harten. Alles um das (abgewedelte) Hauptmotiv herum wirkt dann matt, “sandig” & kontrastlos. Das Auge des Betrachters gelangt so direkt zum Eigentlichen des Bildes, welches nun eine sehr helle, “strahlende” Wirkung besitzt.
Dieser Faktor zur nachträglichen Belichtungszeit kann aber natürlich nur ein Anhaltswert sein. Sicherlich muss die benötigte Zeit zum weichen Nachbelichten (jeweils) den persönlichen Verhältnissen & Vorlieben angepasst werden. Bei dem Beispielbild links wurde, zur Veranschaulichung, außen herum mit einer recht langen Zeit (als bei Beispiel 1) weich nachbelichtet.
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... Tom über alles, was ihn fotografisch interessiert und mehr als drei Sätze ausmacht. Besonders interessiert ihn das Basteln, selber bauen und modifizieren von alten Kameras. Für ein tägliches Blog fehlt ihm die Zeit - und (zugegeben) auch die Geduld. Diese Seiten werden also nicht jeden Tag aktualisiert.
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