analoge Kamera mein neues Arbeitstier: die Voigtländer Spiegelreflexkamera

Das wird nur ein kleiner Artikel und keine ganze Kameravorstellung. Dennoch möchte ich einen neuen Liebling präsentieren: eine alte analoge Voigtländer VSL1 – 35mm Spiegelreflexkamera. Außerdem gibt es ein Bildbeispiel mit ausführlicher Erklärung zur Entstehung des Fotos.

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Erst kürzlich habe ich ja schon über meine große “Voigtländer Avus” geschrieben. Ich fotografiere gerne mit Mittelformatkameras und eben auch im  Großformat. Vor einigen Jahren hatte ich meine Kleinbildkamera nebst Ausrüstung verkauft, denn wozu das 35mm-Format, wenn man zu weit Größerem im Stande ist?

Voigtländer VSL 1 Kleinbildkamera mit M42-Objektivanschluss

Mittlerweile habe ich meine Meinung allerdings etwas revidiert – ja, geradezu dahingehend geändert, dass ich sagen muss: ich mag das Kleinbild! Es ist einfach das unkomplizierteste aller Formate und (für mich) jenes, wo die wenigsten Fehler auftreten. Keine Probleme mit Planlage, mit Staub (auf dem Planfilm), der Filmschnitt sitzt immer. Für die digitalen Kollegen ist das 35mm-Format ja das große “Vollformat”, in der “analogen” Fotografie stellt es jedoch das kleine der verschiedenen Formate dar. Dass man mit einer Kleinbildkamera aber nicht präzise und gewissenhaft fotografieren kann, ist natürlich nicht richtig. Mit meiner Voigtländer VSL 1 mit dem M42Tessar von Carl Zeiss fotografiere ich auch mit Stativ und Wasserwaage. Das Licht messe ich mit einem Handbelichtungsmesser (obwohl die Kamera natürlich einen eingebauten Belichtungsmesser hat). Meine S/W-Filme entwickele ich in Ilford Perceptol oder Kodak D76, das gibt Schärfe und feines Korn. Die Fotos lassen sich im eigenen Labor noch gut auf 30×40 cm vergrößern. Das ist schon einiges!
Und hier, endlich: ein Bild meiner neuen analogen 35mm-Kamera:
analoge 35mm Spiegelreflexkamera mit M42-Objektiv
Da gibt es kein Schnickschnack: Zeitenrad, Spannhebel und Auslöser. Das M42 Zeiss Tessar war bei der Voigtländer mit dabei (die Metallsonnenblende allerdings nicht).

Ganz besonders gefällt mir hier das Messing, welches nach jahrzehntelanger Arbeit zum Vorschein kommt und sogar eine kleine Beule, die auf dem Bild aber nicht sichtbar ist.
Übrigens: die Kamera hat mit dem M42 Zeiss Tessar nur 16 Euro per Ebay gekostet! Die M 42-Objektive sind ebenfalls recht günstig, wobei da in letzter Zeit die Preise wieder angestiegen sind, da viele Leute im Anschließen eines analogen Objektives an der Digitalkamera eine sehr günstige Alternative zum “digitalen” Originalobjektiv sehen.

Beispielbild mit dem Zeiss Tessar M42-Objektiv

Zu guter Letzt noch ein Beispielbild mit meinem Carl Zeiss Tessar-Objektiv mit M42-Anschluss. Das war ein ziemlich grauer und windiger Tag und ich hatte Angst, dass das hohe Gras im Vordergrund zu unscharf wird, da ich mit der 1/30 Sekunde (evtl. sogar noch länger, ich weiß nicht mehr genau) belichten musste. Aber die Bewegungsunschärfe hielt sich in Grenzen und zumindest die unteren Teile der Halme wurden scharf abgebildet.
m42 Objektiv von ZeissFotografiert hatte ich vom Stativ und meine neue Voigtländer-Kamera war ungefähr auf Brusthöhe positioniert, da ich nicht zu wenig von dem dominanten Gras des Vordergrundes weglassen wollte und auch, weil ich die ungefähre Horizontlinie nicht in die Mitte des Bildes legen wollte. Damit die vertikalen Linien des Hauses im Hintergrund nicht verzerrt wiedergegeben werden, habe ich die Voigtländer (bzw. die Filmebene) mit einer kleinen Wasserwaage – so eine, die man am Blitzschuh aufstecken kann – absolut parallel zu dem Wohnblock bzw. lotrecht ausgerichtet. Das Licht hatte ich mit einem externen Handbelichtungsmesser gemessen – und zwar natürlich auf die Schatten, denn ich wollte ja nicht, dass die Schattendetails des Grases im Vordergrund als auch die der Bäume im Hintergrund zulaufen- bzw. ganz schwarz ohne Details werden. Für das Messen habe ich aber einfach eine normale Lichtmessung mit Kalotte in Richtung Kamera vorgenommen. Das Tessar hatte ich auf ca. 5m Hyperfokale Distanz fokussiert bzw. eingestellt. Abgeblendet auf Blende 11 ergibt dies bei einem 50mm-Objektiv für das Kleinbild-Format ein Schärfebereich von ca. 2,5 Meter bis Unendlich. Alles auf dem Foto – von vorne bis hinten – ist also scharf dargestellt. Nach Augenmaß fokussiert man bei solchen Motiven nicht, sondern liest einfach die Werte am Objektiv ab bzw. stellt es auf die beiden entsprechenden Entfernungspunkte ein! Mit einem Drahtauslöser habe ich dann ausgelöst.
Bis ich endlich den Verschluss betätigen konnte, vergingen ca. 10 Minuten. Man sieht, auch mit einer “billigen” Kleinbild-Spiegelreflexkamera lässt sich einigermaßen vernünftig und anspruchsvoll arbeiten bzw. sehr gute Ergebnisse erzielen – fernab des Knipsens. Es bedarf oftmals keiner teure Mittelformatkamera oder gar Großformatkamera. Dann hatte es auch noch leicht angefangen zu regnen aber Hey: die Kamera hatte mit dem guten M42-Objektiv nur 16 Euro gekostet, da braucht man nicht sonderlich viel Angst haben – ganz davon abgesehen, dass so ein bisschen Regen meiner Voigtländer sicherlich kaum etwas anzuhaben vermag und ich zur Not ja noch meinen Kamera-Regenschutz habe.

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Belichtet hatte ich einen Rollei Retro 100, welcher ungefähr dem alten und bekannten Agfa APX 100 zu entsprechen vermag. Ich hatte diesen Film aber auf 50 ASA belichtet, also bewusst eine ganze Blende bzw. Zone überbelichtet, da ich ihn später in Ilford Perceptol entwickeln wollte. Der Entwickler Perceptol verlangt ja dadurch, dass er alles andere als empfindlichkeitssteigernd ist, eine Überbelichtung. Dies ist der Preis für feines Korn und hoher Detailschärfe. Aber ich hatte ja zum Glück mein Stativ dabei.

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Super das Bild! Und die Kamera! Wie meinst du das mit der Wasserwaage? Und woher nimmt man so eine -Baumarkt?

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Hi!
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... Tom über alles, was ihn fotografisch interessiert und mehr als drei Sätze ausmacht. Besonders interessiert ihn das Basteln, selber bauen und modifizieren von alten Kameras. Für ein tägliches Blog fehlt ihm die Zeit - und (zugegeben) auch die Geduld. Diese Seiten werden also nicht jeden Tag aktualisiert.

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