Konventionelles, Unkonventionelles, Tipps und Tricks zur Fotografie

Negative richtig Scannen: eine kurze Anleitung

Fotografiert man analog, ist man mit einer nunmehr äußerst günstigen Kamera-Ausrüstung in der Lage, sehr hochauflösende und qualitativ hochwertige Fotografien anzufertigen. Allein: Die Negative müssen noch gescannt werden, wenn man sie digitalisieren möchte. Hier gibt es eine kurze aber dafür essentielle Anleitung zum richtigen Scannen.

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Bitte erwarten Sie an dieser Stelle keine Schritt-für-Schritt-Anleitung für ihre eigene Scan-Software! Hier gibt es etwas – so erlaube ich es mir zu benennen – besseres, zumindest essentielleres: Es geht um die theoretischen Basics beim Scannen von Negativen. Doch klicken Sie nicht gleich weg, es ist nicht viel! Haben Sie aber einmal die richtige Taktik, den sogenannten Workflow erkannt, werden Ihre Scan-Ergebnisse vielleicht weit besser sein, als sie es bisher eventuell gewohnt sind. Vielleicht kommen Sie aber auch auf einem anderen Weg zum Ziel, den möchte ich Ihnen gewiss nicht madig machen. In dieser Anleitung möchte ich also meine persönliche Scann-Praxis vorstellen, mittels derer ich immer zu sehr brillanten und vor allem tonwertreichen Fotografien gelange.

Ich selbst fotografiere primär analog: Mit meiner 6×9-Kamera erhalte ich durch das Digitalisieren mit einem guten Scanner Bilder mit einer Auflösung von ca. 75 Megapixel. Jedoch bedarf es etwas Wissen, was das Umwandeln des Negativs in eine digitale Datei anbelangt. In meiner Anleitung soll es nicht darum gehen, auf einfachem Wege einen alten Bestand an Dias zu scannen. Ich widme mich dem Thema, wie man tatsächlich die beste Qualität aus analogem Film heraus bekommen möchte, möchte man die Bilder für z. B. einen Druck digitalisiert wissen.

Eine Rohdatei scannen

Das wichtigste bei meiner Technik ist, zunächst eine „Rohdatei“ zu scannen! Bedenken Sie: Die Tonwert- und Farb-Automatiken der Scansoftware (z. B. Silverfast, Viewscan, die Epson-Scan-Software) sind dazu gedacht, dass man möglichst schnell und unkompliziert überhaupt erst zu (vielen) Bildern gelangt! Man lege also die Negativstreifen in den Scanner und scannt mit einem Rutsch alles durch. Hernach werden die fertigen Bilder ausgespuckt. Natürlich hat man auf diese Weise gleich die gewünschte Menge an Digitalisierungen parat. Jedoch geht es hier um Masse, und nicht um Klasse! Jedes einzelne Bild bedarf einer individuellen Bearbeitung. Das war schon immer so und weiterhin wird es so auch in der digitalen Fotografie bleiben, wenn man auf eine gewisse Qulität besteht. In der Dunkelkammer sieht es freilich nicht anders aus: Jedes Positiv muss separat bearbeitet (ausgefiltert) werden, auf jedes Negativ muss ein individuell eingestellter Prozess folgen, auch bei der Digitalisierung. Der wichtigste Punkt hierzu:

Scannen Sie jedes Negativ einzeln mit zunächst allen Tonwertinformationen. Das Bild muss an dieser Stelle zunächst noch keinesfalls dem gewünschten Ergebnis entsprechen!

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Ein Screenshot meiner Scansoftware Silverfast

Nefative mit Silverfast richtig scannen
Das Bild kann bei Klick noch vergrößert werden. Bei kleineren Bildschirmen kann man es mittels einem Mittelklick bzw. mit dem Öffnen in einem neuen Fenster / Tab (per Rechtsklick) noch vergrößern.

Der Screenshot von Silverfast weist auf zwei ganz wichtige Einstellungen zum manuellen Scannen hin:

Allein durch diese Vorgehensweise ist es möglich, tatsächlich jede Bildinformation (Tonwertinformation) über den gesamten Bereich zu digitalisieren, ohne dass Bildinformationen beim Scannen abgeschnitten werden (Schatten „laufen zu“ / Lichter „brennen aus“).

Wichtig: Ihre Scansoftware sollte die Funktion eines Histogramms besitzen. Automatiken müssen zumindest deaktiviert werden können.

Nachdem man einmal die Begrenzungsmarkierungen am Histogramm großzügig für jeden der drei Kanäle eingestellt hat und die Auto-Funktion deaktiviert ist, kann man den Rahmen um das Negativ wieder größer ziehen. Natürlich werden sich hierbei die Kurven im Histogramm wieder verändern. Jedoch wird sich dieses Anzeige-Verhalten auf die reinweißen (Scanhalter) und die reinschwarzen (Negativrand) Bereiche beziehen, die für das eigentliche Scannen / Bild nicht relevant sind.

Das Bildergebnis vom Scann

Nun schauen wir uns an, was wir mit dieser Scan-Methode zunächst für ein Bild erhalten:

Negativ scan

Das Bild weist einen flauen Charakter auf. Ja, das ist nur richtig so! Verstehen Sie diese Scan-Technik so: Das Negativ selbst ist ein Rohdiamant. Die Digitalisierung sollte tatsächlich auch eine Rohdigitalisierung sein: Alle Tonwertinformationen sollten digitalisiert werden. Das erste Ergebnis wird zumeist einen flauen Bildcharakter aufweisen, als hätte man (im Fotolabor) ein zu weiches Vergrößerungspapier verwendet.

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Nun folgt der zweite Schritt: Der „Rohdiamant“ wird geschliffen.

Bearbeiten des Roh-Scanns

Das eben erhaltene Bild speichere ich immer separat als „Rohdatei“ ab. Dies gibt mir die Möglichkeit, später noch eventuelle Veränderungen vorzunehmen. Eine bessere Möglichkeit ist, sofern Sie mit professioneller Bildbearbeitung vertraut sind, die Datei mit sogenannten „Einstellungsebenen“ (in Photoshop) abzuspeichern, welche man immer wieder ganz bequem ändern- bzw. variieren kann. Dies soll aber ein anderes Thema sein. Wichtig in diesem Zusammenhang ist nur: Ich habe durch den großzügigen Scann tatsächlich alle Bildinformationen digitalisiert, die mein Negativ hergibt. Ich habe keinerlei Tonwerte beschnitten!

Nun folgt der zweite Schritt: Ich interpretiere mein Negativ so, wie es mir gefällt. Erst jetzt kommt das Anpassen von Kontrast und Schärfe ins Spiel. Erst an dieser Stelle wird dezent nachgeschärft. Erst jetzt wird auch bei Farbfilm eine Farbkorrektur vorgenommen. Erst jetzt wird der tatsächliche Bildausschnitt vorgenommen:

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digitalisiertes Negativ

Vergleichen Sie beide Bilder: Das erste ist der Rohscann, welcher alle Bildinformationen enthält. Das zweite Foto ist das gleiche.

zwei Monitore gleichzeitig benutzenLesen Sie auch in diesem Artikel, wie ich für einen hohen Komfort bei der Bildbearbeitung zwei Monitore gleichzeitig nutze.

Hier habe ich dann im Nachhinein die essentielle und individuelle Bildbearbeitung vorgenommen: Tonwertkorrektur, Bildausschnitt, Nachschärfen. Jedoch weisen sowohl die dunkelsten Bildbereiche (die „Schatten“) also auch die hellsten (die „Lichter“) Zeichnung auf. Dies ist mir persönlich sehr wichtig. Denn durch das Abschneiden von derlei Bildinformationen erhält man ein dumpfes Foto, welches weit weniger Dreidimensionalität suggerieren kann als ein in den Tonwerten bis in die tiefsten Schatten hinein fein abgestufter Scan. Eine korrekte (d. h. auch hier großzügige) Belichtung des Negativs selbst natürlich vorausgesetzt.

Scannen von Farbfilmen

Die beiden Beispiele zeigen einen S/W-Film. Auch bei Farbfilmen arbeite ich mit der Methode des Rohscans:

Farbfoto scannen

Bei dieser Farbfotografie sehen Sie linkerhand Rohscann eines Kodak Portra 160. Die tatsächlich digitalisierten Bildinformationen wurden innheralb der Scan-Software nicht verändert bzw. beschnitten! Erst durch die nachträgliche Bildbearbeitung (Tonwertkorrektur, Farbkorrektur) wurde der Rohdiamant „geschliffen“, ganz wie es mir gefällt. Der Portra wird bereits roh relativ realitätsnah abgebildet, bis auf einen Cyan-Stich. Beim Kodak Ektar sieht dies bei mir ganz anders aus. Der Ektar 100 hat immer einen sehr starken Grünstich:

Kodak Ektar Scannen

Diesen Grünstich versuche ich keinesfalls bereits in der Scansoftware auszufiltern! Erst nachträglich in meiner Bildbearbeitung (Photoshop) kann man so einen Farbstich recht einfach mittels den Gradationskurven oder der Tonwertkorrektur ausfiltern. Ich selbst nutze zum Ausfiltern der Farben am liebsten die Gradationskurven und die „Auto“ Funktion, bei der ich aber immer die ALT-Taste gedrückt halte für weitere Optionen. Das Thema Bildbearbeitung und Farbausfilterung von Film-Scans soll aber nicht direktes Thema dieses Blogartikels sein.

Sicher werden Sie auch out of the box scannen können. Für ein aussagekräftiges, qualitativ gutes Bild muss jedoch immer eine individuelle Bildbearbeitung vorgenommen werden. Nichts anderes macht man auch im eigenen Fotolabor! Automatiken der Scan-Software lasse ich nahezu ganz außer Acht. Mir ist beim Scannen selbst nur wichtig, dass tatsächlich zunächst einmal alle Bildinformationen des Negativs digitalisiert werden können. Das Foto muss direkt nach dem Scannen noch keinesfalls gut aussehen.

*Gekonnte Lichtführung bei Porträts. In diesem Buch wird ein wesentlicher aber leider zu oft vernachlässigter Bestandteil der Porträtfotografie behandelt: Das Licht. Doch mit der Art des Lichts verändert man den Charakter einer porträtierten Person radikal: von Schlafzimmermime bis dämonisch. Auf Amazon kann man einen Blick in dieses Lehrbuch werfen.

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gescanntes Negativ

Eine Full Scale Digitalisierung: Jegliche Negativinformationen wurden „aufgezeichnet“. Schatten und Lichter sind nicht beschnitten. Durch die (erst!) nachträgliche Kontrastanpassung wurde der Bildeindruck ganz meinem Geschmack angepasst. Zudem wurde – erst nachdem das Basismaterial digitalisiert wurde – geschärft.

eine LaufbodenkameraSolche schnurgeraden Architekturaufnahmen wie die obige fertige ich übrigens mit meiner umgebauten alten Laufbodenkamera an.

Problematische Negative

Wenn man sehr dichte Negative hat, d. h. Negative, die z. B. überbelichtet oder überentwickelt worden sind, bekommt man gerade bei günstigeren Scannern manchmal Probleme, diese sehr dichten Stellen zu scannen: Die Lichter brennen bereits im Rohscan aus. Ich behelfe mir hierbei mit einem Trick, indem ich das Negativ zwei Mal scanne. Hierzu habe ich einen separaten Artikel geschrieben: Mehrfachscan mit jedem Scanner. Bei dieser Technik wird das Negativ zunächst ganz normal gescannt und anschließend bei einem zweiten  „Tiefenscann“ werden optisch alle Lichter-Informationen digitalisiert bzw. erfasst. Diese Technik ist ähnlich der HDR-Fotografie, die man aus der digitalen Fotografie kennt, nur dass man bei der Aufnahme lediglich ein einziges Foto machen muss.

Weitere Artikel zum Thema Negative und Dias digitalisieren

Nachtrag: Ich habe nun in der Zwischenzeit noch drei weitere Artikel zum Thema Negativ- / Dia-Digitalisierung geschrieben:

  1. Bessere Schärfe: Focus der Filmträger korrigieren
  2. Die richtigen Einstellungen bei Silverfast für hochwertige Scanns
  3. Richtige Farbkorrektur mit Photoshop für digitalisierte Negative

Wenn Sie tatsächlich das Beste aus Ihrem Scanner heraus holen möchten, empfehle ich, die Artikel zu lesen.

Artikeldatum: 25.04.2015 / letzte Änderung: 11. Mai 2017

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