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Lochkamera: das Loch genau messen

Eine Lochkamera zu bauen, ist recht leicht. Um aber die jeweils richtigen Belichtungszeiten zu ermitteln, muss man wissen, welche Blende bzw. Lichtstärke die Lochkamera eigentlich besitzt. Hierzu ist es erforderlich, den Lochdurchmesser zu messen, was mit einem handelsüblichen Scanner für den Computer relativ einfach ist.

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Messen das Lochkamera Loch mit einem Scanner
Leider stand mir nur ein Lineal mit einfachen Millimeter-Abständen zur Verfügung. Es lässt sich dennoch ein brauchbarer Wert für die Lochgröße der Lochkamera ablesen.

Zum Ermitteln der Blende einer Lochkamera benötigt man zwei Variablen: zum einen den Abstand zwischen Loch und Film (das sogenannte „Auflagemaß“), zum anderen den Durchmesser des Lochs.

Ersteres lässt sich natürlich recht einfach nachmessen. Um aber den Lochdurchmesser zu ermitteln, reicht ein einfaches Lineal alleine nicht mehr aus. Das Loch ist hierfür viel zu klein. Eine verblüffend einfache Möglichkeit die Größe zu ermitteln, ist die Scanner-Methode.

Bei dem Bildbeispiel links wurde also zuerst ein Lineal bei hoher Auflösung eingescannt und danach das Lochkamera-Loch-Bauteil (hier ein mit einer Schere glatt gestrichenes Stückchen Blech aus einem Teelicht) bei exakt der selben Auflösung. Beide Bilder wurden mit einem Bildbearbeitungsprogramm beschnitten und über- bzw. nebeneinander geschoben. Dies lässt sich z.B. mit dem kostenlosen Gimp bewerkstelligen. Nun lässt sich der Durchmesser des Lochs um einiges präziser ablesen.

Toleranzen

Freilich ist der hierdurch ermittelte Wert immer noch ein eher grober. Allerdings geht es hierbei immer noch um eine Lochkamera, nicht um ein präzises Instrument. Ich habe durch diese einfachen Messmöglichkeit letztendlich immer gute Belichtungswerte an meinen Kameras feststellen können.

Es besteht aber evtl. auch die Möglichkeit, statt mit einem eingescannten Lineal das Loch gleich innerhalb der Bildbearbeitung (und hierbei wirklich präzise) zu messen. Da ich mich mit digitaler Bildbearbeitung nicht sonderlich auskenne, verweise ich gerne auf diese Seite, wo diese Methode veranschaulicht wird.

Zu sagen ist allerdings, dass man somit zwar den Lochdurchmesser auf einen Zehntel Millimeter genau ermitteln kann, nicht aber den zweiten Faktor – das Auflagemaß (also der Abstand zwischen Loch und Film – bei der Lochkamera auch die Brennweite). Letzterer geht als Wert aber gleichberechtigt in die Berechnung der Blende mit ein, wodurch immer von einer gewissen Toleranz auszugehen ist.

Blende bzw. Lichtstärke der Lochkamera berechnen

Der Vollständigkeit halber: Zum Errechnen der Blende (eben hier auch der Lichtempfindlichkeit bzw. Lichtstärke des  „Lochs“) ermittelt man dann einfach den Quotienten aus Auflagemaß (Abstand Loch-Film) und Lochdurchmesser. Ich habe bei dem Bildbeispiel einen Lochdurchmesser von 0,35 Millimeter gemessen. Bei einer Kamera mit einem Auflagemaß von 4 cm (40 mm) Ergibt sich somit eine Blende von 40:0,35=114. Die für die Fotografie relevante Blende wäre dann aufgerundet 126.

Da wohl kaum ein Handbelichtungsmesser bzw. ein Messschieber bis zu so einem Wert geht (bei „modernen“ Belichtungsmessern bin ich mir nicht sicher), liest man einfach die Zeit für den letzten angezeigten Blendenwert ab und verdoppelt die Zeit schrittweise.

Blendenreihe: 32 – 45 – 64 – 90 – 126

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Würde der Belichtungsmesser also bei Blende 32 eine Zeit von 1/15 Sekunde „vorschlagen“, so wäre bei Blende 126 die Zeit von genau 1 Sekunde richtig (1/15 – 1/8 – 1/4 – 1/2 – 1).

Schwarzschild-Effekt

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Ab einer ermittelten Belichtungszeit von 1 Sekunde ist in der „analogen“ Fotografie allerdings noch zusätzlich der sogenannte „Schwarzschild-Effekt“ zu beachten.

Ein gewisser Herr Schwarzschild hat nämlich einmal herausgefunden, dass sich die Umwandlung des Bildsilbers einer Filmschicht ab einer gewissen Belichtungszeit (~1 Sekunde) nicht mehr linear verhält – Dass man also bei einer gemessenen Verschlusszeit ab einer Sekunde nicht mehr vom angezeigten Wert des Belichtungsmessers (dessen Messelement ja nur linear arbeiten kann) ausgehen darf.
In einem solchen Fall muss zusätzlich zu der gemessenen Zeit ein weiterer Faktor einberechnet werden. Bei einem 400-ASA-Film wäre dieser ca. 2 bzw. 1 Blende, was bei einer gemessenen Zeit von 1 Sekunde dann folglich und letztendlich eine Belichtungszeit von 2 Sekunden ergibt. Das genaue Schwarzschild-Verhalten ist den Angaben des jeweiligen Filmherstellers zu entnehmen und soll / kann hier nicht beschrieben werden.

Genau so, wie der Schwarzschildeffekt auf die langen Zeiten zutrifft, hat er aber auch Einfluss auf die sehr kurzen Belichtungszeiten unter ca. 1/1000 Sekunde, was beim Blitzen im Studio (bzw. bezüglich der Abbrenndauer des Blitzlichts in Beziehung zur Blende der Kamera) Relevanz hat. Für die Lochkamera ist dies natürlich am allerwenigsten relevant.

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Ist doch alles ganz einfach, hm? In der Regel kommt man bei der Verwendung von Film aber auch mit groben Schätzungen zu akzeptablen Ergebnissen.

Artikeldatum: 8.08.2009 / letzte Änderung: 1. Mai 2016

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